Wolf-Rückkehr in heimischen Wald nicht ausgeschlossen

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Gut 60 Zuhörer waren am Freitagabend zur Informationsveranstaltung über den Wolf gekommen, zu der die Freie Wählergemeinschaft Kierspe in den Ratssaal eingeladen hatte.

Kierspe - „Kann ich weiterhin unbesorgt um die Lingese gehen, ohne auf der Hut vor einem plötzlich auftauchenden Wolf sein zu müssen?“

Die durchaus ernst gemeinte Frage einer Zuhörerin wurde mit einem eindeutigen „Ja“ beantwortet, zeigte allerdings, dass die tief im Menschen schlummernde Urangst vor dem Wolf auch heute noch präsent ist. Dies nicht zuletzt auch aufgrund jüngst in den Medien aufgetauchter Berichte über die Rückkehr des Wolfes nach NRW.

Das jedenfalls wurde im Ratssaal bei der mit mehr als 60 Personen gut besuchten Infoveranstaltung „Die Rückkehr der Wölfe“, zu der die Freie Wählergemeinschaft Kierspe eingeladen hatte, deutlich. Als Referent war Thomas Pusch, beim Landesfachverband des Nabu als Wolfsberater tätig, vor Ort. Mit seinem von anschaulichem Bildmaterial untermalten gut einstündigen Vortrag wollte er die aus seiner Sicht weitestgehend unbegründeten Ängste des Menschen vor dem Wolf zerstreuen.

Der Wolf stehe nicht nur „vor den Toren“ unseres Bundeslandes, sondern sei inzwischen tatsächlich nach rund 200-jähriger Abwesenheit wieder in NRW angekommen. Erstmals im Jahre 2000 seien in der Lausitz wieder kleine Wölfe geboren worden, und die aktuelle Zahl der wohl aus Polen und Osteuropa eingewanderten grau-braunen Vierbeiner belaufe sich deutschlandweit inzwischen auf 40 Rudel. Acht Nachweise für das Vorhandensein des Wolfes in NRW konnten seit 2009 geführt werden. Jedes Tier stehe unter genauester Beobachtung, hieß es dazu weiter. Die partielle Rückkehr des vor Zeiten nahezu überall in Europa flächendeckend verbreiteten und hierzulande als streng geschützte Tierart geltenden Jägers sei absolut im Sinne der Artenvielfalt in Wald und Flur und durchaus zu begrüßen, befand der Referent.

Diesbezüglich räumte Pusch gründlich auf mit dem Vorurteil, der Wolf greife den Menschen an. Denn der Mensch gehöre überhaupt nicht zum Beuteschema des Vierbeiners, der sich hauptsächlich von Reh- und Niederwild wie Kleintieren ernähre. Allerdings verschmähe der Wolf auch Haustiere wie Schaf oder Ziege nicht, wenn die Gelegenheit günstig sei. Studien belegten zudem, dass noch kein Fall bekannt geworden sei, dass ein Wolf sich gegenüber dem Menschen aggressiv verhalten habe. Bei Beachtung einiger Grundregeln, dazu gab es auch entsprechende Tipps für Nutztierhalter, sei ein problemloses Miteinander von Mensch und Tier die Regel.

Vieles erfuhren die Zuhörer über Lebens- und Verhaltensweisen des Wolfes, der in freier Wildbahn durchaus mit seinem Verwandten, dem Hund, verwechselt werden könne. Wölfe leben im Familienverband des Rudels und können in einer Nacht weite Strecken zurücklegen.

In der zum Abschluss angesagten Diskussionsrunde beantwortete der Referent noch offene Fragen. Dabei konnte Pusch so gut wie ausschließen, dass der Wolf als Überträger der Tollwut infrage kommt, und er sah auch keinerlei Konfliktpotenzial zu den Interessen von Reitern, Jägern und Spaziergängern. Wer sich weitergehend informieren möchte, könne das anhand des beim Nabu erhältlichen Wolfsmanagementplans für NRW, einem Handlungsleitfaden beim Auftauchen von Wölfen, tun, wie es zum Abschluss des Abends hieß.

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