Feuerwehr im Dialog mit Arbeitgebern

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Zum Arbeitgeberdialog im Rahmen des Projekts „Feuerwehrensache“ kamen die Verantwortlichen der Feuerwehr mit zahlreichen Unternehmern ins Gespräch und verteilten auch Informationsmaterial.

Kierspe - 127 Mitarbeiter, 87 Auszubildende und rund 8400 Produktivstunden im vergangenen Jahr: Wie einen Industriebetrieb präsentierte Wehrleiter Georg Würth am Donnerstagabend die Freiwillige Feuerwehr den etwa 20 Unternehmern, die zum Arbeitgeberdialog ins Autohaus Knabe gekommen waren.

Die Veranstaltung war Teil des Projekts „Feuerwehrensache“, mit dem das NRW-Innenministerium und der Verband der Feuerwehren das Ehrenamt der Freiwilligen Feuerwehr stärken wollen. Wie in ganz NRW kommt es auch in Kierspe immer häufiger zu Konflikten mit den Arbeitgebern, wenn die Ehrenamtlichen tagsüber zu Einsätzen ausrücken müssen. „Auch dass die Arbeitnehmer immer mobiler sein müssen, wirkt sich auf die Tagesverfügbarkeit aus“, wies Christoph Brünger von der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer (SIHK) auf ein weiteres Problem hin. „Wer arbeitet heute noch dort, wo er wohnt?“

Grundsätzlich seien jedoch viele Unternehmer der Feuerwehr gegenüber positiv eingestellt, wie eine telefonische Umfrage gezeigt habe, sagte der SIHK-Geschäftsbereichsleiter. „Wer bei der Feuerwehr ist, kann auch in seinem Unternehmen als Ersthelfer oder Brandschutzbeauftragter eingesetzt werden“, wies er auf einen Vorteil für die Arbeitgeber hin. „Außerdem stärkt das Ehrenamt die Teamfähigkeit.“ Die Zusammenarbeit zwischen der Feuerwehr und den Unternehmen am Ort biete also viel Potenzial, das bisher nicht ausgeschöpft werde.

Viele Unternehmer seien der Feuerwehr gegenüber positiv eingestellt. Dennoch gab es auch einige kritische Nachfragen seitens der Arbeitgeber.

Auch finanziell könnten manche Arbeitgeber vom Ehrenamt ihrer Mitarbeiter profitieren, ergänzte Georg Würth: Gerade in Handwerksbetrieben sei ein Lkw-Führerschein sehr gefragt, wenn zum Beispiel Arbeitsgerät transportiert werden müsse. Wenn ein Mitarbeiter diesen Klasse-C-Führerschein im Rahmen seines Ehrenamtes erwerbe, bedeute dies eine Kostenentlastung für seine Firma. „Außerdem besuchen die Mitglieder der Feuerwehr zahlreiche Lehrgänge, die sie zum Gerätewart, im Bereich Kommunikationstechnik oder für die Pressearbeit qualifizieren. Auch solche Kenntnisse können Mitarbeiter in ihrem Unternehmen einbringen“, sagte der Wehrleiter.

Bei aller Werbung für das Ehrenamt zeigten Würth und Brünger jedoch auch Verständnis für die Bedenken der Arbeitgeber. „Es wird dann kritisch, wenn sich Alltagseinsätze häufen“, sagte der SIHK-Vertreter. „Die Mitarbeiter sollten je nach Situation entscheiden, ob der Einsatz oder die Belange des Unternehmens wichtiger sind.“

Cornelia de la Chevallerie vom NRW-Innenministerium.

Ein großes Lob für die Kiersper Wehr und ihren Leiter sprach Cornelia de la Chevallerie vom Innenministerium aus. „Der Frauenanteil und das Engagement in der Jugendarbeit sind beispielhaft“, sagte die Leiterin der Abteilung für Gefahrenabwehr. Im Anschluss an den offiziellen Teil lud de la Chevallerie Feuerwehrleute und Arbeitgeber dazu ein, bei einem Imbiss ins Gespräch zu kommen.

Bürgermeister Frank Emde zeigte sich leicht enttäuscht darüber, dass der Einladung nicht mehr Unternehmer gefolgt waren. „Die Resonanz hätte etwas größer sein können“, sagte er. Die Feuerwehr sei der Garant für Brandschutz und technische Hilfeleistung. „Und es kann ja auch einmal ein Industriebetrieb brennen“, erinnerte das Stadtoberhaupt daran, dass jede Firma einmal auf die Hilfe der Feuerwehr angewiesen sein könnte.

Georg Würth führte die geringe Teilnehmerzahl auf die Urlaubszeit zurück; ein späterer Termin sei aber nicht möglich gewesen. Er sei dennoch zufrieden mit dem Ergebnis: „Es waren auch viele sehr kritische Arbeitgeber da. Ich habe mit einigen von ihnen Termine vereinbart, um Lösungen für ganz konkrete Probleme in diesen Unternehmen zu finden.“ Ein erster Schritt sei also geschafft.

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