Fotos auf Zigarettenschachteln: „Mich schockt das nicht mehr“

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Olga Werner, Mitarbeiterin der Aral-Tankstelle, zeigt die Pappschilder, mit denen die Schockfotos abgedeckt werden.

Kierspe - Seit Mai müssen Zigarettenschachteln in Deutschland sogenannte Schockfotos tragen: Die Abbildungen, etwa von kranken Lungen, schwarzen Zähnen oder Raucherbeinen, sollen potenzielle Raucher abschrecken. Dass das auch tatsächlich wirkt, zweifeln aber viele an.

„Die Menschen nehmen es schon wahr“, sagt Dieter Meitz, Pächter der Aral-Tankstelle an der Kölner Straße. Für ihn und seine Mitarbeiter bedeuten die Bilder vor allem zusätzliche Arbeit, denn in der Tankstelle werden die abschreckenden Bilder abgedeckt. Das heißt: Im Regal steht vor den jeweiligen Schachteln ein Pappschild, das die Abbildungen verdeckt. Kinder sollen dadurch die teils verstörenden Bilder nicht zu sehen bekommen.

Sengul Som arbeitet in der Jet-Tankstelle an der Kölner Straße.

„Das ist doch bescheuert“, findet ein Kunde: Gerade die jungen Käufer sollten die Bilder doch abschrecken. „Mich jedenfalls schockt das schon lange nicht mehr“, sagt er. Wie Dieter Meitz erklärt, fragen viele Kunden gezielt nach den alten Schachteln ohne Schockfotos, die derzeit noch in größerer Anzahl im Handel sind. Ein Kunde habe die Schachtel auch weggelegt und stattdessen gar keine Zigaretten gekauft.

Auch in der Jet-Tankstelle, die in direkter Nachbarschaft liegt, sind die Bildchen ein Thema, Auswirkungen auf das Kaufverhalten kann Mitarbeiterin Sengul Som aber nicht erkennen: „Die meisten wissen auch so um die Gefahren“, ist sich Som sicher. Sie geht davon aus, dass ungefähr die Hälfte der Kunden Tabakerzeugnisse kaufen.

Dass die Bilder möglicherweise jüngere Kunden verstören könnte, glaubt sie nicht: „Die Kinder nehmen die Zigaretten im Regal nicht wahr.“ Tatsächlich stehen in den meisten Geschäften die Tabakwaren hinter dem Tresen im Rücken der Mitarbeiter.

Ein eher makabrer Trend lässt sich in beiden Verkaufsstellen erkennen: „Manche Menschen sammeln die Motive“, erzählt Sengul Som. 42 verschiedene Fotos sind derzeit auf den Zigarettenverpackungen zu sehen. Außerdem gibt es dazu passende Warnhinweise in Form von kurzen Texten.

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