Gerichtsverfahren

Konservenschlacht im Supermarkt: Gurken als Wurfgeschosse

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In einem Kiersper Supermarkt wurden bei einem Streit unter Eltern unter anderem Gurken zu gefährlichen Geschossen.

Kierspe - Vorbilder für ihre Kinder waren eine 46-jährige Mutter und ein 51 Jahre alter Vater wahrlich nicht, als sie in einem Kiersper Supermarkt aneinander gerieten und plötzlich Gurkengläser zu Geschossen wurden.

Im Amtsgericht Meinerzhagen trafen die Streithähne, bei denen es sich nicht um ein Paar sondern lediglich um Eltern, deren Töchter dieselbe Schule besuchten, handelte, schließlich erneut aufeinander – dieses Mal ohne Konserven. 300 Euro müssen die beiden Angeklagten nun jeweils an die Staatskasse zahlen, entschied der Richter. Was war passiert?

Backpfeife und fliegende Gläser

Am 9. Oktober vergangenen Jahres verpasste der Angeklagte der Frau im Supermarkt laut Vorwurf zunächst eine Backpfeife. Anschließend soll der dreifache Vater die 46-Jährige an den Haaren gezogen und ihren Kopf auf den Boden geschlagen haben. Die Frau soll als Reaktion Gläser mit Gurken und Tomaten nach ihrem Widersacher geworfen haben. Getroffen hatte sie zwar nicht, trotzdem fiel der Mann auf dem durch den Inhalt der zerstörten Gläser glitschigen Boden hin und verletzte sich seine Hände an den Scherben.

„Überall war Blut“, berichtete der Angeklagte. Geschlagen habe er die Frau nicht. Vielmehr habe sie ihn angegriffen, woraufhin er sie zur Abwehr an den Haaren gepackt hätte, was zum Sturz der Frau geführt habe. „Nie im Leben habe ich ihren Kopf auf den Boden gehauen oder sie geschlagen“, empörte sich der 51-Jährige. Das sah die Angeklagte allerdings etwas anders. Am Tattag sei sie mit ihrer zwölfjährigen Tochter einkaufen gegangen. Im Supermarkt sei der Angeklagte auf sie zugekommen, habe sie als Schlampe bezeichnet und gedroht, dass, wenn sie nicht aufhöre, seine Frau zu belästigen, er sie umbringen würde.

Zeugin sieht keine Schläge ins Gesicht

Aus Angst habe sie den Einkaufswagen zwischen sich und ihrem Gegenüber geschoben. Den habe der Mann aber weg geschubst und ihr einen Faustschlag ins Gesicht verpasst. Er habe sie dann im weiteren Verlauf der Auseinandersetzung am Hals gepackt und zu Boden gedrückt, sie an den Haaren gezogen und ihren Kopf gegen das Regal mit den Dosen gedonnert. Ihre Tochter habe den Anblick nicht ertragen und sei angsterfüllt weg gerannt.

Dann habe sie das erste Glas geworfen. „Ich wollte die Aufmerksamkeit der anderen Kunden auf mich ziehen“, erklärte die 46-Jährige. Ein zweites Glas habe sie hinter den Angeklagten her geworfen. Eine Kundin bestätigte, dass der Angeklagte die Frau an den Haaren gezogen und diese daraufhin mit Gläsern um sich geworfen hatte. Schläge habe sie aber nicht gesehen. Der Mann sei dann auf den Gurken und Tomaten ausgerutscht.

Ursache: Streit zwischen Kindern

Grund für die Auseinandersetzung war ein Streit zwischen den Kindern der Angeklagten. Beide Beteiligten sind bislang nicht vorbestraft. Das nahm der Vorsitzende zum Anlass, die Verfahren gegen eine Zahlung von jeweils 300 Euro einzustellen. Er hoffe, dass die beiden Angeklagten allein durch die Anzeige und das Verfahren gemerkt haben, dass es ein solches Verhalten nicht geben dürfte.

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