Für Blinde bleibt beim Geldabheben ein ungutes Gefühl

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Ertastbare Symbole auf den Tasten sollen die Bedienung des Geldautomaten erleichtern.

Kierspe - Der Schulterblick gehört zum Geldabheben am Automaten ganz selbstverständlich dazu. Ganz wohl fühlt sich wohl niemand, wenn er nachts vor dem Automaten steht und direkt dahinter der nächste Kunde wartet.

Doch was machen Menschen, die nichts oder nur sehr wenig sehen können? Und wie bedienen diese überhaupt den Geldautomaten? Fragen, mit denen sich Blindenverbände und Bankmitarbeiter gleichermaßen beschäftigen.

„Blinde müssen bereit sein, anderen Menschen zu vertrauen, auch in Situationen, in denen Sehende niemandem vertrauen würden. Das trifft auch auf Bankgeschäfte zu“, erklärt Josef Küppers vom Blinden- und Sehbehindertenverein Lüdenscheid und Umgebung.

Küppers sagt, dass er durchaus an den Automaten gehe und dort auch aufgrund dessen, was er noch sehen könnte, klar komme. „Für andere, die noch weniger sehen, ist das aber ein großes Problem. Da sich die Bedienung von Automat zu Automat unterscheidet und auch die Stückelung der Beträge auf unterschiedlichen Tasten liegt, ist für sie das Geldabheben fast unmöglich. Wobei einige Automaten über eine Kopfhörerbuchse verfügen, über die der Sehbehinderte Hilfestellungen und Anweisungen zur Bedienung erhält. Dazu kommt noch das ungute Gefühl, da der Blinde nicht sehen kann, wer hinter ihm steht“, so Küppers.

Tastbare Symbole erleichtern die Bedienung

„Die Automaten mit den Kopfhörerbuchsen finden sich in der Sparkasse Kierspe-Meinerzhagen, so beispielsweise in der Kiersper Hauptstelle und im Dorf. Darüber hinaus verfügen alle Geräte über Bedienfelder mit tastbaren Symbolen, die die Handhabung erleichtern“, berichtet Sparkassen-Marketingleiter Arnd Clever. „Wir bemühen uns, bei jeder Neuanschaffung eines Geldautomaten auch an die Menschen zu denken, die mit Einschränkungen leben müssen.“ So habe man auch Geldautomaten gekauft, die ein Unterfahren mit dem Rollstuhl ermöglichen.

Doch gegen das ungute Gefühl des Beobachtetseins kann auch die moderne Technik wenig machen. „Da hilft letztlich nur eine Filiale, an der auch noch ein Ansprechpartner zu finden ist, der das Geldabheben für den Blinden übernimmt“, sagt Küppers. „Oder unser Bargeldbringservice“, kontert Clever dieses Argument für Filialen mit Personal. Seit Jahren biete die Sparkasse Kierspe-Meinerzhagen ihren Kunden an, an einem von zwei Terminen im Monat Geld zu liefern. „Da wir das mit eigenem Personal erledigen und immer die gleichen Mitarbeiter auf Tour gehen, sind diese den Kunden auch bekannt. Außerdem helfen die Boten auch gerne beim Ausfüllen von Überweisungen und nehmen diese mit“, sagt Clever.

Technik für viele Sehbehinderte unverzichtbar

Bei anderen Geldgeschäften wie dem Überprüfen der Kontoauszüge ist Technik für viele Sehbehinderte unverzichtbar. „Das Homebanking ist ein echter Gewinn, wenn auch noch nicht alle Seiten der Banken barrierefrei sind“, sagt Küppers. Barrierefrei bedeutet am eigenen Rechner, dass dieser den Bereich vorliest, an dem sich die Maus befindet. Navigiert wird dabei mit der „Tab-Taste“. „Wir arbeiten sehr intensiv daran, dort in allen Bereichen Barrierefreiheit zu schaffen, doch das geht alles nicht von heute auf morgen“, so Clever.

Doch letztlich hilft eine solche Seite auch nur demjenigen etwas, der einen PC benutzt. Doch gerade die älteren der rund 1500 Blinden oder Sehbehinderten würden nicht mit dem PC arbeiten, erklärt Küppers. Denen bleibt dann wieder nur das Vertrauen in andere Menschen – und die Hoffnung, dass es auch in Zukunft noch Sparkassen- und Bankfilialen gibt, in denen Mitarbeiter ihren beeinträchtigen Kunden helfend zur Seite stehen.

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