Girls’ Day wird zur Herausforderung für beide Geschlechter

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Während die Jungen der Kiersper Gesamtschule putzen, verdrahten die Mädchen beim Girl´s Day Schaltschränke.

Kierspe - Girl´s Day in Kierspe: Während die Jungs Fenster putzen, Schuhe reinigen oder Knöpfe annähen, lauschen die Mädchen den Ausführungen von vier Facharbeiterinnen der Firma GWK, die ihnen Berufe vorstellen, die in der Industrie ausgebildet werden.

Mit viel Engagement versuchen die vier jungen Damen der Meinerzhagener Firma das Interesse für Berufe zu wecken, die vielen Mädchen nicht sofort einfallen, wenn sie einen Ausbildungswunsch nennen sollen. Die Möglichkeit für all diese Aktivitäten bot der Girl‘s Day an der Gesamtschule.

Währen die Gesamtschüler der Jahrgänge 8 bis 11 den Girls’ Day nutzten, um ein Tagespraktikum bei Betrieben in der Umgebung zu absolvieren, stand für den Jahrgang 7 ein ganz besonderes Programm auf dem Stundenplan. Die junge Facharbeiterinnen waren an die Gesamtschule gekommen, um im 20-minütigen Wechsel den rund 90 Mädchen des Jahrgangs ihre Berufe näher zu bringen.

Christine Schütt war als Produktionstechnologin sicher die Exotin unter den Berufen. Mit ihrer halb technischen und halb kaufmännischen Ausbildung soll sie Prozesse im Unternehmen optimieren und ein Bindeglied zwischen gewerblicher und kaufmännischer Arbeit darstellen.

Streifenfrei sollten die Scheiben nach dem Einsatz der Siebtklässler schon sein.

Miriam Schürholz arbeitet als Technische Produktdesignerin in dem Meinerzhagener Unternehmen. Noch vor ein paar Jahren hätte sie ihren Beruf als Technische Zeichnerin vorgestellt. Lisa Stephan ist als Eletronikerin für Betriebstechnik tätig und verdrahtete mit den Mädchen einen Schaltschrank. Und Esma Dinc stellte den Beruf der Fachkraft für Lagerlogistik vor.

„Viele waren doch regelrecht geschockt, dass die Mathematik eine entscheidende Rolle in der Ausbildung spielt. Wobei diese sich leichter lernen lässt, da sie sehr anwendungsbezogen ist“, erklärt Stephan in einer Nachbesprechung mit dem Fachlehrer Hans-Georg Englmann und Jahrgangsstufenleiter Andreas Plate. Etwas enttäuscht merkte sie dann noch an: „Ich habe den Eindruck, dass sich einige Schülerinnen vorstellen können, Technische Produktdesignerin zu werden, aber ich glaube Elektrikerin will keine werden.“

Dabei ist sie, genau wie ihre Kolleginnen, Feuer und Flamme für ihren Beruf, lobt die Arbeit im Team und fühlt sich von ihren meist männlichen Kollegen voll akzeptiert. „Als ich die Berufsschule besuchte, war ich eine Ausnahme in diesem Beruf“, erinnert sie sich. Und auch Englmann sieht das so: „Auch heute noch dominieren bei den Bewerbungen der Mädchen die klassischen Berufe.“

Girls' Day an der Gesamtschule Kierspe

„Viele Mädchen denken auch immer noch, dass man sich in einem technischen Beruf dreckig macht und harte körperliche Arbeit erledigen muss“, schildert Schütt ihre Erfahrungen aus den Gesprächen. Dass das nicht so sein muss, versuchten die vier den jungen Zuhörerinnen klar zu machen.

Die rund 80 Jungen des Jahrgangs hatten an diesem Tag mit ganz anderen Themen zu „kämpfen“. Denn für sie stand ein „Haushaltsführerschein“ auf dem Programm. Unter Anleitung wurden Schuhe geputzt, Betten bezogen oder auch Tische gedeckt. „Es ist schon interessant zu sehen, wie die Jungs das so machen. Da sieht man gleich, wer auch zu Hause mit anpackt und auch, bei wem alles von der Mutter erledigt wird“, erzählt Plate.

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