"Therapeut" mit großem Herz und kalter Schnauze

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Der Ergotherapeut und Leiter des Betreuungsdienstes der Seniorenresidenz Julian Halbe kann bei seiner täglichen Arbeit auf die Unterstützung des fünf Monate alten Riesenschnauzers Jack als Therapiehund setzen.

Kierspe - Der Haunerbusch ist sein Revier. Doch trotz seiner stattlichen Erscheinung braucht niemand Angst vor ihm zu haben. Denn für Jack ist die Welt ein großer Spielplatz. Der Riesenschnauzer ist Therapiehund in der Kiersper Seniorenresidenz und sorgt dort für beste Stimmung.

Seit Anfang 2016 leitet Julian Halbe den Betreuungsdienst des Seniorenzentrums. Der staatlich anerkannte Ergotherapeut aus Wenden, der seine beruflichen Wurzeln in der Arbeit mit Behinderten hat, setzt an seinem neuen Arbeitsplatz in Kierspe besondere Akzente – über den normalen Dienst hinaus. „Ich mache das für die Bewohner. Ich versuche, die Ergotherapie zu etablieren. Das kommt bei den älteren Menschen gut an, weil sie Anwendungen wie Aromabad-Therapien nach Knauf nicht kennen.“

Mit sogenannten basalen Stimulationen soll dabei etwa die Temperaturwahrnehmung der Bewohner gestärkt werden. Durch andere Übungen werden motorische Funktionen gefördert, erklärt Halbe. „Es steht zwar nicht in meinen Vertrag. Aber warum soll ich solche Dinge nicht anbieten?“, sagt der Therapeut, der bei 79 Bewohner viel zu tun hat. Gerne hätte er dabei zweibeinige Verstärkung.

Vierbeiniger Kollege hilft in der Betreuung im Demenzbereich

Einen Helfer auf vier Pfoten hat er bereits. Der schwarze Riesenschnauzer Jack hat eine Ausbildung zum Therapiehund absolviert und begleitet den Ergotherapeuten seitdem bei den Behandlungen. „Ich nutze Jacks Anwesenheit gerade im Demenzbereich, da er bei vielen Bewohnern alte Erinnerungen weckt. Viele hier auf dem Land hatten schließlich selber mal einen Hund“, sagt Julian Halbe, der sich sicher ist, dass sein Kollege mit der kalten Schnauze und dem großen Herz in der Region einzigartig ist.

Jacks Ausbildung bestand zunächst aus einem Wesenstest, der Sicherheit für die Patienten schaffen soll, sowie aus der Prüfung seiner sogenannten Führigkeit. „Damit wird gewährleistet, dass bei Gassigängen mit Fremden alles klappt. Schließlich kann Jack, wenn er ausgewachsen ist, zwischen 50 und 60 Kilogramm schwer sein“, erklärt Halbe. Zwar müsse der Hund noch mit acht Monaten und mit eineinhalb Jahren weitere Prüfungen absolvieren, doch bereits jetzt könne er sogar im Klinikalltag, etwa auf einer Krebsstation, eingesetzt werden. „Jack legt sich sogar zu den Patienten ins Bett.“

Spielerisch die Basis für weitere Behandlungen schaffen

Ergotherapie bedeutet übersetzt „handelnd tätig sein“. Und genau das versucht Julian Halbe mit den Bewohnern der Seniorenresidenz umzusetzen. Wie das aussehen kann, dass zeigt etwa das Hochbeet an der Terrasse des Café Ebbeblick. „Durch das Bepflanzen schulen die Bewohner ihre Fingermotorik. Sie gehen dabei teilweise sogar über ihre Schmerzgrenze hinaus, ohne das sie es merken.“ Das Ergebnis der Arbeit des Therapeuten: Keiner der Bewohner sei kontrakt, also bewegungssteif und verkrampft, sagt Halbe, der einen großen Anteil des Erfolgs auf Jack zurückführt.

„Manche haben Angst vor großen Hunden, aber als Therapiehund muss er eine Mindestgröße haben. Viele Bewohner kennen ihn schon als Welpen, so dass der Umgang mit ihm nur noch manchmal problematisch ist.“ Von 7 bis 16 Uhr „arbeitet“ der Vierbeiner mit den älteren Menschen und schafft spielerisch die Basis für weitere Behandlungen. So bringt er etwa Rollstuhlfahrer, die wenig Bewegung haben, dazu, sich beim Streicheln nach vorne zu beugen oder sorgt bei der Gruppenarbeit dafür, dass die Teilnehmer aus der Reserve gelockt werden. Halbe: „Schon seine Anwesenheit schafft Wohlbefinden.“

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