Redeschwall schützt vor Gericht nicht vor Strafe

Kierspe/Meinerzhagen - Reichlich Nerven musste am Dienstag der Richter im Amtsgericht Meinerzhagen im Prozess gegen eine 46-jährige Kiersperin aufbringen.

Nach Überzeugung des Gerichts war die Frau Anfang April dieses Jahres ohne Ticket mit der Bahn gefahren. Das sah die Angeklagte jedoch völlig anders. Lautstark schmetterte sie dem Richter entgegen, dass sie einen Fahrschein gehabt habe.

Sie sei an dem Tag mit ihrem Freund unterwegs gewesen, als ihr plötzlich schlecht geworden sei. Normalerweise hätte sie aussteigen müssen. Sie sei aber im Zug verblieben, um sich auf der Toilette zu übergeben. Der Freund hätte den Zug allerdings verlassen – mit dem gültigen Ticket für zwei Personen. „Ich hatte eine Karte“, blieb die Frau hartnäckig bei ihrer Aussage.

Ohne Punkt und Koma verlor sie sich in ausführlichen Schilderungen über ihr Leben. Dass sie ein Kind habe und sich um ihre Mutter kümmere.

Mit dem Vorwurf hatte das alles nichts zu tun. Auch der, von der Kiersperin vorgelegte, Stapel Fahrscheine für die Bahn brachte den Richter nicht weiter. Denn das entscheidende Ticket vom Tattag war nicht darunter. „Damit kann ich nichts anfangen“, erklärte der Vorsitzende Richter.

Das animierte die Angeklagte zu einem erneuten, lauten Redeschwall darüber, dass sie zeigen wollte, dass sie regelmäßig Bahn fahre und auch immer Tickets kaufe. „Ich bin eine gute Bürgerin“, erklärte die 46-Jährige. Nun, diese Aussage konnte der Vorsitzende sofort widerlegen. Denn: Zehn Vorstrafen, davon sieben wegen Erschleichens von Leistungen, brachte die Frau zur Verhandlung mit. Dazu hatte die Angeklagte erst mal nichts mehr zu sagen.

Am Ende verurteilte der Richter die Frau wegen Erschleichens von Leistungen zu drei Monaten Haft auf Bewährung. „Was sie hier erzählen ist absolut unglaubwürdig. Sie sind eine notorische Schwarzfahrerin“, fand der Vorsitzende klare Worte. Das konnte die Angeklagte nicht fassen.

Auch nach Schließung der Verhandlung machte sie zunächst keine Anstalten, den Sitzungssaal zu verlassen. Stattdessen regte sie sich in bekannter Manier über die Entscheidung des Meinerzhagener Gerichts auf. „Sie wollen jetzt nach Hause gehen“, setzte der Richter dem Ganzen schließlich ein deutliches Ende.

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