Massiver sexueller Missbrauch in elf Fällen

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Prozessauftakt vor dem Landgericht Hagen gegen einen 77 Jahre alten Kiersper wegen des Verdachts auf schweren sexuellen Missbrauchs.

Kierspe - Weil er eine der Enkelinnen seiner Ehefrau massiv sexuell missbraucht haben soll, muss sich seit Dienstag ein 77-jähriger Mann aus Kierspe vor der 1. großen Jugendstrafkammer des Landgerichts Hagen verantworten.

Auch die ältere Schwester der Geschädigten soll er sexuell bedrängt haben. Die Taten sollen sich zwischen 1997 und 2011 in Meinerzhagen und Kierspe zugetragen haben. Wie so oft in Fällen von sexuellem Missbrauch verging viel Zeit zwischen den Taten und der Anklage. Die Opfer sind heute junge Frauen im Alter von 18 und 25 Jahren.

Die von Staatsanwältin Claudia Kersebaum zum Prozessauftakt vorgetragene Anklage listet elf Fälle von schwerem sexuellen Missbrauch von Kindern auf. Viele der Taten trugen dabei kein Datum, und möglicherweise stellte diese von den Zeuginnen erinnerte Auswahl nur die Spitze eines Eisberges dar. Der Angeklagte wollte sich vor Gericht zunächst nicht zu den Vorwürfen äußern.

In einer internen Beratung zwischen seinem Anwalt, der Staatsanwältin und dem Gericht loteten die Berufsbeteiligten verschiedene Varianten hinsichtlich des möglichen Strafmaßes aus. Der Vorsitzende Richter Marcus Teich machte dabei deutlich, dass der Angeklagte bei Anwendung des gesetzlichen Regelstrafrahmens keine Bewährungsstrafe zu erwarten habe.

Angeklagter zeigt Interesse an „Täter-Opfer-Ausgleich“

Sollte er ein Geständnis ablegen und ein Schmerzensgeld von 5000 Euro an die Geschädigten zahlen, könne er mit einer Gesamtfreiheitsstrafe rechnen, die zwischen drei Jahren und drei Jahren und sechs Monaten liege. Sollte ein „Täter-Opfer-Ausgleich“ mit der Hauptgeschädigten zustande kommen, komme eventuell auch eine Strafrahmenverschiebung und damit noch eine Bewährungsstrafe in Betracht.

Sein Mandant sei grundsätzlich zu einer solchen Regelung bereit, sagte der Verteidiger und betonte, dass auch die Nebenklägerin daran interessiert sei, „die Sache abzuschließen“. Das Gericht stellte ihre mögliche Vernehmung deshalb bis zu einem Abschluss der Gespräche über einen möglichen „Täter-Opfer-Ausgleich“ zurück. Die Vernehmung der Opfer von Sexualstraftaten stellt für diese in der Regel eine schwere Belastung dar.

Die für Mittwoch geplante zweite Sitzung wurde ausgesetzt. Am 5. September wird im Landgericht weiterverhandelt. Die 1. Jugendstrafkammer hatte sich zunächst sieben Verhandlungstage zur Klärung der Vorwürfe gegeben.

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