Nach Jahrzehnten bleiben die Zapfsäulen am Heideweg dicht

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Jens (links) und Michael Potthoff haben ihre Tankstelle geschlossen. Alle anderen Geschäftsbereiche bleiben aber erhalten.

Kierspe - Der Shop zur Tankstelle besteht nur aus einem Zigarettenautomaten an der Außenwand. Jens und Michael Potthoff haben immer mehr Wert auf Service gelegt, als auf den Verkauf von Süßigkeiten und Getränken. Doch getankt wird bei Potthoff und Prüschenk nicht mehr.

Zu groß die Konkurrenz durch die neueröffnete Tankstelle. Und auch, wenn alle anderen Geschäftsbereiche weiter betrieben werden, wird mancher Stammkunde die Traditionstankstelle am Heideweg vermissen.

„Wir haben einige Kunden, die haben noch nie woanders als bei uns getankt. Die haben uns immer den Fahrzeugschlüssel gebracht, wir haben dann getankt, nach Öl und Reifendruck geschaut und das Auto durch die Waschstraße gefahren. Für die tut es mir schon sehr leid. Doch die Tankstelle auf dem Hof rechnet sich einfach nicht mehr. Vor allem, weil wir in Zukunft hätten viel investieren müssen“, erzählt Jens Potthoff.

Als vor einiger Zeit der Waschpark an der Volme eröffnete, hatten die beiden Inhaber und Geschäftsführer mit Sorge auf den Wettbewerber geschaut, vor allem weil dieser die gleiche Technik verwendet, die auch bei Potthoff und Prüschenk vor gut einem Jahr eingebaut wurde. „Die Kunden sind uns da aber sehr treu. Deshalb haben wir gedacht, das wird auch bei der Tankstelle so sein. Doch da ist der Preisunterschied wohl zu groß“, sagt Michael Potthoff.

500 bis 600 Euro fehlen in der Kasse

Selbst habe man immer den Preis der benachbarten Aral-Tankstelle um einen halben Cent unterboten. Den Abschlag von mehreren Cent, den die Jet-Tankstelle gegenüber ihren Mitbewerbern auszeichnet, habe man aber nicht mitgehen wollen und können. Daraufhin seien die Barzahler weggeblieben. Jens Potthoff: „Da fehlten jeden Tag so 500 bis 600 Euro in der Kasse.“

Die Firmenkunden dagegen seien dem Unternehmen ausgesprochen treu geblieben. Und diese können auch weiterhin bei Potthoff und Prüschenk tanken, allerdings nicht mehr in Kierspe sondern in Meinerzhagen, wo die Firma eine Automaten-Tankstelle im Industriegebiet betreibt.

Wettbewerbssituation macht Investitionen sinnlos

Während die Anlage in Meinerzhagen, an der es allerdings nur Diesel gibt, auf dem neusten Stand ist, wären in Kierspe in naher Zukunft hohe Kosten auf die Brüder zugekommen. „Unsere Schachtanlagen, die zu den Tanks führen, sind noch gemauert. Nach einer Übergangsfrist, die derzeit läuft, müssen diese aber aus wasserundurchlässigem Beton gefertigt werden. Außerdem hätten wir über kurz oder lang die alten Säulen gegen moderne, an denen man alle Treibstoffsorten tanken kann, austauschen müssen“, beschreibt Jens Potthoff die Situation. All das wolle man angesichts der Wettbewerbssituation aber nicht mehr investieren. Am Samstag wurden dann mit Flatterband die Säulen gesperrt. Damit endet in Kierspe eine lange Tradition.

Das Unternehmen Potthoff und Prüschenk wurde bereits 1921 gegründet. Damals wurden Schmierstoffe hergestellt und an die örtlichen Landwirte verkauft. Nach dem Zweiten Weltkrieg – mit der Zunahme der Privatfahrzeuge – kam die erste Tankstelle auf den Hof. Damals noch mit Handbetrieb und Glaskolben. Als in den 1960er-Jahren die ersten Ölheizungen eingebaut wurden, erweiterte das Kiersper Unternehmen sein Geschäftsfeld um die Lieferung des schwarzen Goldes. Eine Waschstraße, ein Reifenhandel, die Einlagerung der Reifen und Ölwechsel auf der eigenen Hebebühne rundeten das Angebot ab.

Alle anderen Geschäftsbereiche laufen weiter

Michael Potthoff: „Alle anderen Geschäftsfelder werden wir auch weiterhin betrieben.“ Alles andere wäre auch nicht zu verstehen. Denn sowohl der Reifenhandel als auch die Waschstraße laufen nach Bekunden der Inhaber ausgesprochen gut. Doch das meiste Geld wird aber nach wie vor dort verdient, wo vor fast 100 Jahren alles angefangen hat. Rund 200 Tonnen Schmierstoffe und Fette werden jährlich verkauft. „Wir haben uns Nischen gesucht, die für die großen Händler nicht so interessant sind“, sagt Michael Potthoff.

Optisch wird sich auf dem großen Gelände am Heideweg wenig tun. Die Zapfsäulen werden wohl in Kürze abgebaut – die Tanks können jedoch, wenn alles wie gewünscht läuft, in der Erde bleiben. Jens Potthoff: „Wir hoffen, dass wir diese – nach einer gründlichen Reinigung – einfach mit Sand befüllen können.“

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