Denkmaltag im „Ruhrgebiet des Mittelalters“

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Noch gut sichtbar an manchen Stellen sind die Reste der Pulvermühlen nebst der erforderlichen technischen Einrichtungen.

Kierspe - Beim Kreisheimattag am Sonntag wurde deutlich, warum Heimatforscher und zahlreiche Kenner der Materie dem hiesigen Gebiet den liebevollen Beinamen „ Ruhrgebiet des Mittelalters“ gegeben haben.

Die Spuren zahlreicher Schmitten, Hämmer und Mühlen, die auch in unserer Gegend dank vorhandener Wasserkraft und Beschaffungsmöglichkeiten für die benötigten Rohstoffe eine frühindustrielle Entwicklung des heimischen Raumes erlaubten, sind – in zumeist liebevoll restaurierten Gebäuden, zumindest aber in Fragmenten – noch bis in die heutigen Tage nachweisbar. So standen unter anderem das Reidemeisterhaus Voswinkel, der Schleiper Hammer und das Deutsche Bakelitmuseum in Kierspe wie auch verschiedene markante Anlaufpunkte im Rönsahler Raum im Fokus.

In diesem Zusammenhang nutzten am Sonntag zahlreiche Gäste die Gelegenheit, sich im kürzlich in Teilen umgestalteten Bergisch-Märkischen Pulvermuseum in Ohl, das durch etliche weitere Unterlagen aus dem Geschäftsbetrieb der Pulvermacher weiter aufgewertet wurde, umzusehen.

Im Rahmen einer Führung durch die musealen Räume wusste Museumsmitarbeiter Karl-Friedrich Marcus so manches aus der Welt der Pulvermacher zu berichten. Dazu gehörte unter anderem auch, dass die Produkte der Rönsahler Firma Cramer & Buchholz dazu beigetragen haben, dass hohe gesellschaftliche Kreise und selbst der deutsche Kaiser mit der Familie Buchholz in direkter Verbindung standen.

Gern angenommen wurden auch die von Heimatfreundin Regina Marcus organisierten Wanderungen ins Gelände. Nur unwesentlich entfernt vom Schwarzpulvermuseum sind in einem Waldstück nahe der Ortsbezeichnung Neuenhammer noch sichtbare, zum Teil gut erhaltene Gebäudeteile der ehedem im Tal der Kerspe betriebenen Pulvermühlen zu finden.

An Ort und Stelle erfuhren die Exkursionsteilnehmer wissenswerte Details über die Pulverherstellung und den damit einhergehenden relativen Wohlstand in der Gegend. Sie hörten aber auch von mit der Pulverfabrikation verbundenen Gefahren in den Pulvermühlen und den beschwerlichen Pulvertransporten in alle Welt, die manches Todesopfer forderten.

Trotzdem arbeiteten viele Familien des gesicherten Einkommens wegen über Generationen in der Pulverindustrie – so lange, bis die fortschreitende Entwicklung und die Erfindung des Dynamits Anfang der 1920er-Jahre das Ende der 300-jährigen Pulverindustrie besiegelten und gleichzeitig den Weg ebneten für deren bleibenden Platz im dicken Buch der Heimatgeschichte.

Ergänzt und vertieft wurden diese Informationen später in den musealen Räumen der historischen Brennerei in Rönsahl sowie bei einer von Ellen Becker geführten Dorfwanderung.

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