Spieletrends abseits von Pikachu und seinen Freunden

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Ihre Freizeit im Kiersper Jugendzentrum verbringen David (11), Dennis (10) und Harkan Can (7) am liebsten an der Playstation. Neben „Zocken“ stehen bei vielen Jugendlichen aber auch weiterhin Gesellschaftsspiele oder sportliche Aktivitäten hoch im Kurs.

Kierspe - Sie heißen Bisasam, Raupy, Pikachu oder Quaputzi und sind derzeit bei vielen jungen Menschen auf dem Smartphone zuhause. Die Spiele-App Pokémon Go eroberte den Markt für elektronische Unterhaltungsmedien. Doch da neben gibt es auch andere Spiele, die bei Jugendlichen im Trend liegen.

Pokémon hier, Pokémon da, Pokémon überall: Diesen Eindruck könnte man gewinnen, wenn man die Nachrichten in der Zeitung, im Fernsehen und Internet verfolgt. Doch entgegen der landläufigen Meinung sei der Pokémon-Hype bereits etwas abgeebbt, sagt einer, der es vielleicht besser weiß als manch anderer. Christian Schwanke ist Mitarbeiter im Kiersper Jugendzentrums. Er hat tagtäglich mit jungen Menschen zu tun und bekommt dabei mit, was bei den Jüngeren gerade „in“ ist.

„Viele Kinder und Jugendliche haben ein Handy, aber dass sie ständig nur damit spielen, das glaub’ ich nicht. Gerade jüngere Kinder haben das Problem, dass viele Spiele, wie auch Pokémon Go, nur auf einem relativ neuen Gerät funktionieren. Zudem ist es hier auf dem Land mit der Auswahl an Pokémon schwierig. Deshalb ist es nicht einfach, das Spiel erfolgreich zu spielen. Ältere Jugendliche, die mobiler sind, fahren mit dem Auto etwa nach Attendorn zum Pokémon-Fangen.“

Doch bereits vor dieser Spiele-App habe das Smartphone bei den Jugendlichen eine wichtige Rolle gespielt. „Handys haben die Jugendarbeit verändert. Das Jugendzentrum ist nicht mehr so der Anlaufpunkt wie vor zehn Jahren. Heute hängen die jungen Leute miteinander ab und jeder hat so ein Gerät in der Hand. Dabei gibt es sicher auch Dauernutzer. Theoretisch muss man heutzutage gar nicht mehr rausgehen, um mit der Außenwelt in Kontakt zu treten.“

Der 15-jährige Mete Can probiert die Pokémon-Go-App aus.

Doch Schwanke sieht in der vermehrten Handynutzung nicht nur Nachteile: Man könne in der Jugendarbeit viele Informationen schneller und besser über Facebook oder Whatsapp verbreiten. „Das Smartphone ist heute eine Selbstverständlichkeit, auch für Erwachsene.“

Wer glaubt, dass junge Menschen nur noch auf Pokémon-Suche sind, den kann der Jugendzentrums-Mitarbeiter eines Besseren belehren. Neben elektronischen Unterhaltungsmedien, wie die Playstation oder die Nintendo Wii greifen die Jugendlichen von Zeit zu Zeit auch zu klassischen Gesellschaftsspielen wie Uno oder Kniffel. „Diese Sachen haben wir auch im Angebot. Doch man muss mit den Spielen auf die Kinder zugehen.“

Jugendzentrums-Mitarbeiter Christian Schwanke weiß, wie er junge Leute wie den 13-jährigen Deniz zu einer Partie Uno überreden kann.

Christian Schwanke hat aber die Erfahrung gemacht, dass die Beschäftigung mit solchen Dingen meist nur von kurzer Dauer ist. „Komplizierte und zeitintensive Spiele wie ,Riskio’ werden überhaupt nicht mehr gespielt. Die Ablenkung bei uns im Jugendzentrum ist meistens zu groß oder die Konzentrationsfähigkeit der jungen Spieler ist zu gering. Wenn die Kinder um 16 Uhr aus der Schule zu uns kommen, dann haben sie häufig keine Geduld mehr. Man muss bedenken, dass der Schuldruck sehr hoch ist und die Schüler anschließend nur noch abschalten oder sich auspowern wollen.“

Das Spielen beschränke sich zudem nicht nur auf das Handy und auf geschlossene Räume. Gerade an sonnigen Tagen sei das Jugendzentrum eher spärlich besucht. Und wenn, dann leihen sich die Jugendlichen dort Bälle aus und gehen damit auf den Sportplatz nebenan.

Für Christian Schwanke bedeutet der jugendliche Umgang mit elektronischen Unterhaltungsmedien eine Gradwanderung. „Auf der einen Seite passen wir auf, dass die Kinder nicht den ganzen Tag zocken. Aber grundsätzlich verteufeln sollte man Spiele wie Pokémon Go nicht. Ich finde so etwas gut. Die App lebt davon, dass die Nutzer rausgehen müssen. An den sogenannten Poké-Stops, etwa am Bahnhof, können sie sogar noch etwas über ihre Heimatstadt lernen. Ich finde es spannend, dass die Realität mit der Spielewelt verschwimmt.“

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