Milchpreisverfall: „Es geht um unsere Existenz“

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Die Lage ist ernst, das machte der Vorsitzende der Landwirte, Reiner Grafe (Mitte), deutlich.

Kierspe -  Es ist vor allem ein Thema, das den heimischen Landwirten derzeit den Schweiß auf die Stirn treibt: Der Milchpreisverfall. „Die Lage ist ernst“, sagte Reiner Grafe, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsverbandes Kierspe.

Eine namhafte Rednerliste hatte sich im Rahmen der Winterversammlung der Kiersper Landwirte zusammengetragen. Neben der Spitze des Ortsverbandes, waren Günter Buttighoffer und Ludwig Krämer als Vertreter des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes sowie Dirk Voß und Dr. Harald Lopotz als Vertreter der Landwirtschaftskammer NRW in die Gaststätte Funkenhof gekommen. Zudem hatte neben Bernd Grote-Westrick von der Agravis Mischfutter GmbH auch Bürgermeister Frank Emde einige, zum Teil fachspezifische, Worte für die heimischen Landwirte vorbereitet.

Mittelpunkt nahezu aller Referate und Diskussionen war am Dienstagvormittag jedoch die aktuelle Milchpreislage, die, so Ortsverbandsvorsitzender Reiner Grafe, „mehr als negativ“ sowohl im vergangenen als auch im laufenden Jahr zu Buche schlage. Derzeit gebe es keine Hoffnung auf Besserung, „vor allem dann nicht, wenn von der Politik nichts kommt.“ Finanzielle Rücklagen seien auf vielen Betrieben bereits aufgebraucht. Mittlerweile gehe es um die Existenz. „Es ist ganz schwierig“, machte Grafe den Ernst der Lage vor seinen Berufskollegen deutlich.

Problematisch sei für die Landwirte an der Situation vor allem, dass man keine Möglichkeit habe, Einfluss auf das Einkommen zu nehmen. „Der Lebensmittelhandel kann uns unter Druck setzen.“ Und Lebensmittel, so Grafe, hätten keinen Wert mehr. Dass sich das unweigerlich auf die Produktion auswirke, sei den Verbrauchern nicht bewusst. „Das Preisdumping wird auf unserem Rücken ausgetragen.“ Hinzu käme, dass das Ansehen der Landwirte zusehends schlechter werde. „Dabei leisten wir qualitativ gute Arbeit“, bekräftige der Vorsitzende unter Zustimmung seiner Kollegen. Und die Arbeit sei nicht nur gut, sie sei vor allem lang und umfangreich.

Der Preisverfall sei ein Teufelskreis, der sich nach der finanziellen Belastung zuletzt auch auf die Familien der Landwirte auswirke. „Wir müssen unseren Tierbestand aufstocken, können uns keine zusätzliche Arbeitskraft mehr leisten und haben mehr Arbeit im Stall und auch im Büro. Wenn man dann wenigstens noch einen vernünftigen Preis erzielen würde...“, fordert Grafe. Dessen Vater und Ehrenvorsitzender der Landwirte, Dieter Grafe, bekräftigte die Worte seines Sohnes: „Wir dürfen uns das nicht bieten lassen. Bei dem jetzigen Milchpreis gehen hier die Betriebe den Bach runter.“

Zuspruch gab es auch vom Kreisvorsitzenden des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Märkischer Kreis, Günter Buttighoffer: „25 bis 28 Cent pro Liter sind nicht mehr zu verkraften.“ Die Marktlage sei in allen Bereich „katastrophal“, so auch bei den Schweinepreisen. Buttighoffer forderte, die Molkereien stärker in die Pflicht zu nehmen.

Schelte aus vielen Reihen erntete am Dienstag zudem die Arbeit von Umwelt- und Landwirtschaftsminister Johannes Remmel. Die Mehrheit warf ihm wahlorientiertes Handeln hinsichtlich des kommenden Jahres vor. Er sei „ein Blender“, „brandgefährlich“ und führe, so hieß es aus den Reihen der Anwesenden, die Landwirte vor.

Harmonischer wurde es dann nochmal, als Ludwig Krämer ein vom Landwirtschaftsverband herausgebrachtes Kinderbuch mit dem Titel „Wir Kinder vom Hof“ vorstellte. Jede Kiersper Grundschule soll alsbald jeweils ein Exemplar erhalten.

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