Flüchtlingsbetreuung in Kierspe: Geld und Helfer fehlen

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Vor allem für Sprachkurse und individuelle Sprachförderungen benötigt der Verein „Menschen helfen“ finanzielle Unterstützung – außerdem werden nach wie vor Menschen gesucht, die bereit sind, Flüchtlinge zu betreuen.

Kierspe - Es ist ruhig geworden um die Flüchtlinge – zumindest in der Öffentlichkeit. Für die Ehrenamtlichen - auch in Kierspe - hat die Arbeit keinesfalls abgenommen, eher im Gegenteil.

Denn da auch dort die Zahl der Helfer über die vergangenen zwei Jahre nicht zu, sondern abgenommen hat, müssen die anderen umso mehr leisten. Dazu kommt eine sich verschärfende finanzielle Situation und ein gewisses Maß der Frustration bei den Geflüchteten.

„Mittlerweile leben in Kierspe rund 380 Flüchtlinge. Denn auch wenn es längst nicht mehr so starke Zuweisungen gab, wie noch im vergangenen Jahr, kommen immer noch Menschen. Doch um diese zu betreuen, benötigen wir neben Freiwilligen, die die Arbeit erledigen, auch Geld“, sagt Karin Schmid-Essing vom Runden Tisch.

Karin Schmid-Essing.

Bemerkbar mache sich die finanzielle Situation vor allem bei den Sprachkursen. Schmid-Essing: „Nach einer Anerkennung zahlt zwar das Job-Center den Integrationskurs, der mit einer sogenannten B1-Prüfung endet. Doch um zumindest in der Berufsschule mitzukommen, ist ein weiterer Kurs notwendig, der dann mit einer B2-Prüfung endet. Dieser Kursus wird aber häufig nicht vom Job-Center bezahlt. Darüber hinaus ist es bereits mehrfach vorgekommen, dass die Integrationskurse später starteten, da aufgrund der geringen Anerkennungsquoten nicht genügend Kursteilnehmer zur Verfügung standen.“

In solchen Fällen würde der Verein „Menschen helfen“ gerne einspringen, um den Geflüchteten schneller eine Perspektive zu bieten, die immer mit guten Sprachkenntnissen einher gehe. Dazu kämen noch Einzelförderungen, die bezahlt werden müssten, um jungen Schutzsuchenden beispielsweise die Aufnahme eines Studiums zu ermöglichen.

Personalmangel: Kaum Betreuung in den Unterkünften

Probleme sieht Schmid-Essing auch nach wie vor in den größeren Unterkünften am Herlinghauser Weg und am Korteberg: „Dort findet kaum Betreuung statt. Um dort mehr leisten zu können, müssten wir aber auch mehr Ehrenamtliche haben. Doch die fehlen. Denn die Arbeit endet nicht, nur weil in diesem Jahr weniger Menschen gekommen sind als im vergangenen Jahr.“

Mittlerweile sei zwar der allergrößte Teil der in Kierspe lebenden Geflüchteten zur Registrierung und zum Interview durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) gefahren worden, doch das bedeute nicht, dass die Menschen auch schnell ihre Anerkennung oder ihren Ablehnungsbescheid bekommen hätten.

„Einige haben mittlerweile Untätigkeitsklagen gegen das BAMF eingereicht“, sagt die Helferin und nennt noch einen weiteren Grund der zu Klagen führe. So würden mittlerweile auch viele Syrer nur noch einen sogenannten subsidiären Schutz erhalten, der lediglich einen Aufenthalt von einem Jahr gewähre. Danach könne dieser um jeweils zwei Jahre verlängert werden, wenn sich an der Situation im Herkunftsland nichts geändert habe. „Das ist für die Männer, die ihre Frauen und Kinder in Flüchtlingslagern in der Heimatregion zurücklassen mussten, ein großes Problem. Denn bei dem subsidiären Schutzstatus ist es ihnen erst nach zwei Jahren möglich, einen Antrag auf Familienzusammenführung zu stellen.

Klage auf Anerkennung um Familie nachholen zu können

Mit einem Zuzug der nahen Angehörigen ist dann erst nach frühestens drei Jahren zu rechnen. „Deshalb klagen viele auf Anerkennung, denn nur dann kann der Nachzug von Frau und Kindern sofort beantragt werden. Abgesehen von der Sehnsucht nach den Angehörigen sehen die Flüchtlinge natürlich auch, wie sich die Lage in den Lagern verschärft, weil viele Länder nicht die Zahlungen leisten, die notwendig wären, um dort einen Mindeststandard zu gewährleisten“, erklärt Schmid-Essing.

Zum Abschluss kommt die Ehrenamtliche auf eine weitere Beobachtung zu sprechen: „Wir sehen, dass die Leiharbeitsfirmen sehr großes Interesse an Flüchtlingen haben. Das ist für das Job-Center natürlich sehr vorteilhaft, weil dann keine Leistungen mehr bezahlt werden müssen. Wir halten jedoch eine weitere Qualifizierung für sinnvoll, vor allem dann, wenn die Flüchtlinge über eine entsprechende Vorbildung verfügen.“

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