Nicht einfach nur Pfusch, sondern Betrug am Bau

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Bereits seit zwei Jahren ist der Putz an der Giebelwand der Sporthalle entfernt. Dort soll eine Vorhangfassade das Trocknen des total durchnässten Mauerwerks ermöglichen.

Kierspe -  Ursprünglich hatte man gehofft, mit geringem Aufwand und einer einvernehmlichen Lösung zumindest den finanziellen Schaden an einer Giebelwand der Sporthalle zu begrenzen. Doch mittlerweile stellt sich die Situation ganz anders dar. Da ist von Betrug die Rede und einem Rechtsweg, der nun begangen werden müsse.

Als vor zwei Jahren der Schaden entdeckt wurde, ging man noch davon aus, dass es sich um einen Baumangel handele, der relativ einfach zu beseitigen sei. Doch ein Gutachter, der im Herbst 2015 prüfte, kam zu einem ganz anderen Ergebnis.

Die Wände der Turnhalle wurden mit einem sogenannten Betonständerwerk errichtet, ausgemauert mit Wärmedämmsteinen. Da dadurch zwei unterschiedliche Materialien miteinander verbaut wurden, sollte der Unternehmer vor dem Verputzen ein „rissüberbrückendes“ Gewebe aufbringen. So stand es im Auftrag und so wurde es von der Firma auch abgerechnet – nur von dem Gewebe fehlt jede Spur. Warum der Unternehmer das eigentlich nicht teure Gewebe weggelassen hat, dazu gibt es wohl widersprüchliche Aussagen, teilt Stadtplaner Rainer Schürmann auf Anfrage der Meinerzhagener Zeitung mit.

Die Wirkung des fehlenden Gewebes ist auf jeden Fall mehr als deutlich geworden. Mit den Jahren haben sich vor allem an der Giebelwand, die dem Niederschlag besonders stark ausgesetzt ist, Risse gebildet. „Durch diese drang Wasser ein. Im Winter gefror dieses und im Sommer erhitzte es stark und dehnte sich dadurch aus. In der Folge platzte an einigen Stellen der Putz ab“, schildert Schürmann die Auswirkungen.

Wäre dieser Schaden einige Jahre früher in seiner ganzen Dimension sichtbar geworden, wäre die Haftungsfrage schnell geklärt. Da die Halle aber schon fast acht Jahre alt war, als der Schaden sichtbar wurde, war die Gewährleistung bereits abgelaufen.

Da jedoch ein Gewebe abgerechnet wurde, das nie verbaut wurde, sprechen Baufachleute von Betrug. Das kann dann zivilrechtliche Folgen haben, die sich jedoch nicht auf die Schadensregulierung auswirken müssen.

Um eine rechtliche Auseinandersetzung abzuwenden, hatte das ausführende Unternehmen ursprünglich angeboten, einen Teil des Schadens zu zahlen, beziehungsweise nachzubessern. Das ist jedoch zum einen nicht ohne weitere möglich, zum anderen wollten sich die Politiker mit der angebotenen Summe nicht zufriedengeben. Jedenfalls stimmten die Mitglieder des Hauptausschusses in nichtöffentlicher Sitzung mehrheitlich gegen einen entsprechenden Vorschlag.

Problematisch ist nämlich, dass es mit einem Nacharbeiten nicht getan ist. Denn durch das jahrelange Eindringen des Wassers ist das Mauerwerk derart durchfeuchtet, dass an ein erneutes Aufbringen von Putz nicht zu denken ist, so schildert es Schürmann. Statt dessen soll nun eine sogenannte Vorhangfassade vor der Mauer errichtet werden, die die Wand vor Nässe schützen und gleichzeitig durch die Hinterlüftung ein Trocknen des Mauerwerks ermöglichen soll. Außerdem muss aufgrund von geänderten Standards in der Wärmeschutzverordnung eine bessere Isolierung aufgebracht werden. Doch zu diesen Arbeiten ist das Unternehmen technisch nicht in der Lage, weshalb die Kostenbeteiligung gefordert wird.

Unklar ist auch, ob nicht auch die anderen drei Wände der Halle irgendwann auf die gleiche Art und Weise saniert werden müssen, da natürlich auch dort das Gewebe fehlt und sich bereits kleine Risse gebildet haben. Schürmann: „Davon gehen wir im Moment nicht aus, da die anderen Wände der Witterung nicht so stark ausgesetzt sind wie die Giebelwand, außerdem sind die drei verbliebenen Wände innen anders beschichtet.“ Denn ausgerechnet an der betroffenen Wand hatte man auf der Innenseite eine Art Teppichboden ganzflächig verklebt – und dadurch eine Feuchtigkeitsabgabe zum Innenraum verhindert. Wie der Rechtsstreit letztlich ausgeht, liegt nun sicher auch an dem Verhandlungsgeschick der Rechtsanwälte, die mit dem Sachverhalt betraut wurden.

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