Marihuana im Kulturbeutel, im Brillenetui und in der Tupper-Dose

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Bei einer Wohnungsdurchsuchung an der Friedrich-Ebert-Straße stießen Polizisten auf kurios Drogenverstecke.

Kierspe - Marihuana auf und unter der Couch, zwischen Matratzen, auf dem Boden: Polizeibeamten, die im November 2015 eine Wohnung an der Friedrich-Ebert-Straße in Kierspe durchsuchten, bot sich ein Anblick eines nicht optimal geordneten Haushaltes.

Ähnlich kurios wie die etwa 20 Fundstellen waren die Behälter, in denen der „Stoff“ aufbewahrt wurde: Tupperdosen, ein Kulturbeutel, ein Brillenetui.

Marihuana-Geruch habe sie schon im Treppenhaus empfangen, erinnerte sich am Dienstag im Amtsgericht Lüdenscheid eine 29-jährige Polizistin, die bei dem Einsatz in der Wohnung von zwei männlichen Kollegen aus Halver unterstützt worden war. Es konnte nicht überraschen, dass die Bewohner zunächst wenig geneigt waren, die Beamten hereinzulassen.

Sie trafen vier Personen und einen kleinen Hund in der Wohnung an, der vorübergehend ins Bad verbannt wurde. Und sie fällten eine möglicherweise unglückliche Entscheidung: „Wer nicht hier wohnt, der kann gehen.“ Keine der beiden Personen, die daraufhin das Haus verließen, wurde durchsucht.

Danach hatten die Beamten es nur noch mit der Hauptmieterin der Wohnung (23) und einem weiteren Beschuldigten (38) zu tun, denen das Rauschgift angeblich gehören sollte. Beide mussten sich nun vor einem Schöffengericht in Lüdenscheid verantworten, wo der 38-Jährige alle Vorwürfe zurückwies: „Ich hatte mit dem ganzen Kram nichts zu tun.“ Er sei obdachlos gewesen, daraufhin habe sie ihn aufgenommen, erklärte die 23-Jährige die Rolle ihres Mitangeklagten. Die Beamten hatten ihm mindestens einen der Funde zugeordnet, weil sich in der Nähe dieses Fundortes auch sein Portmonee befunden hatte.

„Einkaufsbummel“ vor Durchsuchung

„Wie sind die Drogen in die Wohnung gekommen?“, wollte Richter Thomas Kabus wissen. Die 23-Jährige erklärte, dass einige Beteiligten zuvor ein bisschen eingekauft hätten. „Dann sind wir zu mir in die Wohnung gegangen.“ Die meisten Objekte der umfangreichen Fundliste hätten aber nicht ihr, sondern den beiden von der Polizei fortgeschickten Personen gehört, versicherte die Angeklagte und räumte lediglich den Besitz eines schon fertig gedrehten Joints ein. Die Staatsanwältin wunderte sich, dass Besucher ihre „Brocken“ in der Wohnung derart weitverstreut und an eher persönlichen Orten wie zwischen Matratzen hinterlassen haben sollten.

Weitere Zeugen werden geladen

Da der Mann und die Frau, die die Polizisten weggeschickt hatten, zwar namentlich bekannt, aber nicht als Zeugen geladen waren, setzte das Schöffengericht das Verfahren schließlich vorläufig aus. Zur Wiederaufnahme sollen zusätzlich die beiden Zeugen aus der Wohnung und der angebliche Verkäufer des Marihuanas geladen werden.

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