Weniger verfügbare Feuerwehrleute in Kierspe

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Ob Tierrettung, Ölspur oder Großbrand, Einsätze der Freiwilligen Feuerwehr betreffen auch Arbeitgeber.

Kierspe - Sie sind die Retter in der Not, doch auch sie brauchen manchmal Unterstützung. Zunehmend kommen Männer und Frauen der Freiwilligen Feuerwehren mit ihren Arbeitgebern in Konflikt, wenn sie zu einem Einsatz gerufen werden. So auch in Kierspe, wie Wehrleiter Georg Würth festgestellt hat.

„Damit sind wir nicht alleine. Das ist ein landesweites Problem. Es wird immer enger in Sachen Tagesverfügbarkeit der Wehrleute.“

Ein Arbeitgeber ist nach dem Gesetz für Brandschutz, die Hilfeleistung und den Katastrophenschutz des Landes Nordrhein-Westfalen eigentlich dazu verpflichtet, seine Arbeitnehmer, die ehrenamtlich als Rettungskräfte arbeiten, freizustellen, wenn sie zu einem Einsatz gerufen werden. „Die Wehrleute befinden sich aber in einem Spannungsfeld zwischen dem Recht auf Freistellung und der Angst vor Abmahnungen oder Kündigungen“, erklärt Würth.

Kierspes Wehrleiter Georg Würth.

„Es gibt Arbeitgeber, die bereits beim Einstellungsgespräch sagen, dass sie das Ehrenamt der neuen Mitarbeiter akzeptieren, die Tätigkeit aber nicht während der Arbeitszeit erlauben.“ Das sei eine positive Einstellung, wenn der Chef gleich mit offenen Karten spiele, so der Wehrleiter. In einigen Fällen könnenoder wollen die Arbeitgeber aber eine Freistellung nicht gestatten, etwa wenn die Wehrleute in ihren Positionen hohe Verantwortung in einer Produktion oder bei einem technischen Kundendienst übernehmen. „Da kann man sich drauf einstellen. Es gibt aber auch Arbeitgeber, die aus nicht nachvollziehbaren Gründen Nein sagen.“

Um diese Konflikte mit den Chefs zu verhindern, setzen Würth und seine Mitstreiter auf das offene Gespräch mit allen Beteiligten. Die Kiersper Wehr ist eine Pilotfeuerwehr für NRW. Anfang September soll mit Beteiligung des Ministeriums für Inneres und Kommunales des Landes Nordrhein-Westfalen, einem Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer als Vertreter der Arbeitgeberseite, Bürgermeister Frank Emde und Wehrleiter Georg Würth ein Arbeitgeber-Dialog stattfinden. „Dabei wollen wir die örtlichen Probleme der Wehr ansprechen, die Sorgen und Nöte der Arbeitgeber aufführen und gemeinsam Lösungen finden.“

Unzufriedene Kunden im Blick

Verständnis zeigt der Wehrleiter trotz der Personalprobleme auch für die Arbeitgeber. „Ich hatte vor einiger Zeit ein Gespräch mit einem Chef, in dessen Firma von sieben Angestellten fünf in der Feuerwehr tätig sind. Wenn ein Einsatz kam, dann war der Betrieb wie leergefegt. Das führte zu unzufriedenen Kunden. Da spielt der finanzielle Aspekt eine große Rolle. Wir haben deshalb die Einsätze der Mitarbeiter abgestuft, so dass im wöchentlichen Wechsel maximal nur zwei zu Einsätzen ausrücken dürfen. Das ist ein positives Beispiel, wie man gemeinsam auf die Nöte der Feuerwehr und der Chefs reagieren kann.“

Appell auch an Feuerwehrleute

Ziel aller Verantwortlichen sollte es sein, einen Konsens zu finden, sagt Würth, der dabei auch an seine Wehrleute appelliert, nicht auf ihr Recht der Freistellung zu pochen. „Die Verhältnismäßigkeit muss gewahrt bleiben. Die Arbeitnehmer sollten auch über negative Konsequenzen für ihren Betrieb nachdenken und beispielsweise die durch einen Einsatz verpasste Arbeitszeit abends oder an einem anderen Tag nachholen.“

Schließlich entscheide letztendlich der Kunde über einen sicheren Job. „Zwar bekommt der Chef Verdienstausfälle von der Stadt erstattet. Aber was bringt es ihm, wenn er den Arbeitslohn zurückbekommt, ihm aber die Kunden weglaufen?“

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