Wichtige Beweise vom Hund gefressen

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Kurioses im Amtsgericht in Meinerzhagen.

Kierspe - Eine als Zeugin geladene und merklich nervöse Mutter saß am Dienstag dem Richter im Amtsgericht Meinerzhagen gegenüber. Auf der Anklagebank ihr 28 Jahre alter Sohn.

Der hatte zunächst 288 Euro vom Jobcenter bekommen, 275 Euro am Geldautomaten abgehoben und einige Zeit später mit seiner Bankkarte Lebensmittel für knapp 50 Euro eingekauft. Wegen der vorangegangenen Abhebung war das Konto zum Zeitpunkt des Einkaufs nicht gedeckt. Folglich hatte sich der Kiersper wegen Betruges strafbar gemacht. Weil er, so das Gericht, wusste, dass er kein Geld mehr auf dem Bankkonto hatte. 

Für sein Verhalten war dem Mann ein Strafbefehl über 750 Euro zugegangen. Dagegen legte der Kiersper Einspruch ein mit der Begründung, er sei davon ausgegangen, seine Mutter hätte ihm Geld überwiesen. „Sie unterstützt mich seit etwa drei Jahren“, erklärte der 28-Jährige. Das bestätigte die Mutter im Zeugenstand. Sie habe ihrem Sohn tatsächlich Geld überweisen wollen. Ja, sie könne sich noch genau daran erinnern. Es sei im Mai 2015 gewesen. Leider sei sie aber erkrankt und weil sie kein Onlinebanking nutze und nicht aus dem Haus gekommen sei, habe sie die Überweisung an den Sprössling nicht tätigen können. Sie habe es sogar in einer Liste aufgeschrieben, mit Monat und Betrag: „Irgendwann will ich ja mal einen Teil des Geldes von ihm wieder haben.“ 

Richter lässt "die Bombe platzen"

Bis dahin wirkte die 55-Jährige ruhig und sicher bei ihrer Aussage. Doch dann ließ der Richter „die Bombe platzen“. Der Vorfall ereignete sich nämlich nicht im Mai, sondern im August 2015. Plötzlich machte die Frau einen sehr aufgeregten Eindruck, fuhr sich mehrmals durch die Haare, wippte mit den Füßen. Auch die Stimme klang auf einmal alles andere als sicher. Da habe sie wohl etwas verwechselt, sich im Monat geirrt. 

Wo denn die Liste mit den genauen Daten sei, wollte der Richter wissen. Die habe der Hund gefressen. Der Vorsitzende machte kein Geheimnis daraus, dass er der Frau nicht glaubte, sondern davon ausging, dass sie ihren Sohn „rausboxen“ wollte. 

Und so schloss er sich auch nicht der Verteidigerin, die einen Freispruch für den Angeklagten forderte, an. Stattdessen verurteilte er den bereits zwölffach unter anderem wegen Sachbeschädigung, Diebstahls, Trunkenheitsfahrt und Körperverletzung vorbestraften und unter Bewährung stehenden Mann zu einer Geldstrafe von 1500 Euro. Zur Erinnerung: Der zuvor gegen den Kiersper erlassene Strafbefehl war nur halb so hoch.

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