Hunderte Vögel auf Stromleitung

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Hunderte Schwalben hatten sich in diesem Jahr auf der Leitung zwischen den letzten beiden Strommasten im Kerspetal versammelt, um von dort in Richtung Süden aufzubrechen.

Kierspe - Seit Jahren treffen sich etliche Schwalben im Kerspetal, bevor sie rechtzeitig vor dem Winter den Weg in den wärmeren Süden antreten. Dass das noch so ist, verdanken die Vögel der Familie Keunecke, die sich für den Erhalt einer Stromleitung eingesetzt hat, die den Schwalben als Sammlungsort dient.

Dass sich der Einsatz für die gefiederten Tiere gelohnt hat, zeigt sich auch wieder in diesem Herbst.

Rückblick: Im vergangenen Jahr hatte der Energieversorger Enervie begonnen, die Masten samt Stromleitungen zu demontieren, da die Versorgung der Kerspetal-Anwohner mit Strom mittlerweile durch den Erdboden erfolgt. Keuneckes, die in dem Tal auf einem Hof wohnen, wollten gerne zwei der Masten, die auf ihrem Grundstück stehen und auf deren Leitungen sich jedes Jahr Hunderte Schwalben „treffen“, behalten.

Enervie wollte Masten entfernen

Davon wollte der regionale Versorger aber nichts wissen. Zum einen, weil die Standsicherheit der Masten auf Dauer nicht gegeben sei und zum anderen, weil solche Überlassungen in der Vergangenheit immer wieder zu Problemen geführt hätten. Der Pressesprecher des Unternehmens sagte damals: „Die Schwalben haben schon irgendwo gesessen, als es noch keine Strommasten gab.“ Von dieser Meinung wollte Enervie trotz aller Einwände der Familie nicht abrücken.

Erst nachdem die Meinerzhagener Zeitung über die Pläne des Versorgers und die Wünsche des Ehepaares berichtet hatte und sich zahlreiche Kiersper meldeten, die ihre Unterstützung zusagten, darunter auch der CDU-Fraktionsvorsitzende Jürgen Tofote und Bürgermeister Frank Emde, ließ sich Enervie überreden, Keuneckes die beiden Masten samt Leitung zu überlassen.

Dass sich das gelohnt hat, konnten nun wieder die Bewohner des Hofes, aber auch zahlreiche Ausflügler im Kerspetal sehen. „So viele Schwalben wie in diesem Jahr hatten wir noch nie auf den Leitungen, das war der Wahnsinn“, erzählt Gertrud Keunecke begeistert – und schiebt fast etwas traurig nach: „Aber wo sollen sie sich auch sonst sammeln?“

Großer Andrang auf der Leitung

Viele Kiersper hätten sie in den vergangenen Monaten gefragt, ob sich ihr Einsatz denn gelohnt habe, berichtet die Tierschützerin. Bei dem Andrang auf der Leitung herrsche daran wohl kein Zweifel mehr. Karl-Heinz Keunecke, der mit den Jahren zu einem echten Schwalben-Experten geworden ist, berichtet gar von einer Rauchschwalbe, die ausgesprochen selten sei und sich in diesem Jahr erstmals auf der Leitung habe blicken lassen.

„Interessant ist, dass die Vögel sich lieber auf der Leitung drängen, anstelle die wenige Meter entfernte Telefonleitung zu nutzen. Doch dort ist so gut wie nie ein Vogel zu beobachten“, erzählt die Kiersperin von ihren Beobachtungen. Mittlerweile geht der Blick der Keuneckes aber nicht mehr zu den Leitungen, denn die Vögel haben ihren Lieblingsplatz verlassen, um den Winter im wärmeren Süden zu verbringen. Gertrud Keunecke: „Das war ausgesprochen früh in diesem Jahr. Sonst starten die Schwalben meist erst später zu ihrer weiten Reise.“

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