Friedliches Fest

3000 Besucher feiern beim  Katzensprung-Festival

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Ausgelassene Party- und Tanzstimmung herrschte an der Live-Bühne.

Rönsahl - Ein friedliches Fest voller Musik und Tanz feierten am Wochenende fast 3000 Raver und andere Besucher auf dem Gelände von Gut Haarbecke. „Love, Peace and Happiness“ lauteten einst die drei Grundsätze großer Festivals in der Nachfolge von Woodstock. In der Ravekultur entwickelte sich das Motto „Peace Love Unity Respect“. Davon gab es viel am Fuß der grünen Hügel.

Merkwürdig mutete allerdings an, dass es auf der Hauptbühne und zwei der drei Nebenbühnen keine Musik, sondern lediglich eine Art akustisches Design im Techno-Sound gab, zu deren Rhythmen sich die Besucher im monotonen Takt wiegten. Die Veranstaltung blieb in einer beeindruckenden Art und Weise friedlich. Da war es kein Zufall, dass auch ein „Peace-Symbol“ auf die tanzende Menge herabschaute.

Doch tatsächlich gab es auf der Live-Bühne auch eine Reihe von Bands, die noch eine handgemachte Musik nach alten Handwerkerrezepten produzierten und dafür viel Beifall erhielten. Hop Stop Banda, laut Homepage der Band „ein schräger Folk-Mix aus russischen, ukrainischen, jüdischen und orientalischen Elementen angereichert mit Latin/Balkan-Grooves“ sorgte für viel Stimmung im Herzen des Festivals. Ebenso die Band „Chupacabras“, die „Ziegensauger“ – benannt nach einer Vampirart, die glücklicherweise nur in der Welt der Fabeln existiert. Ihre Musiker brachten chilenische, Kölner, mexikanische, niedersächsische, peruanische, polnisch-kalifornische und sauerländische Wurzeln mit und ließen so den Internationalismus hochleben.

Rund 3000 Besucher bei Katzensprung-Festival

Bei Hop Stop Banda war es ähnlich mit „einem Juden, einem Chilenen, einem Russen, einem Deutschen und einem Tataren“, wie die Musiker stolz ihre Besetzung verkünden. Und so herrschte in Zeiten weltweiter politischer Unruhe und Gewalt an der Live-Bühne eine wunderbar internationale Stimmung, die einer der Musiker all dem Schrecklichen auch entgegenschleuderte.

Viel mehr Politik als das durchaus respektable „Wir sind hier und wir feiern – trotz allem“ wurde an diesem Wochenende aber nicht gemacht.

Um das Kerngeschehen auf den Bühnen herum geschah viel: Heimeligkeit versprühte die Ausstattung des großen Wohnzimmers, das sich in viele nette Orte aufspaltete. Die einzige Badewanne des Anwesens, die allerdings nicht mit Wasser gefüllt war, fand immer neue Bewohner und wurde dadurch selten kalt. Wer mochte, konnte sich in einem Märchenwald verstreuen und dort den Techno-Beats lauschen. Sofas und Sessel nahmen die Ausgepumpten vor den nächsten Aktivitäten auf. Hier und da traten am Rande auch kleinere Besetzungen auf und gaben den Takt für eine gymnastische Übung vor.

Wer es schaffte, verschwitzt zu sein, hatte die Chance auf eine Dusche in einem eher rustikalen Badezimmer. Vom Outfit her präsentierten sich viele Besucher mit netten schwebenden Hinguckern über dem Kopf, Masken, Schminke und originellen Accessoirs vom Zylinder bis zum Büßerkreuz. „Barbie-Christus“ nannte ein Besucher seine Installation, deren Nägel tatsächlich eine der langbeinigen Extremschlanken getroffen hatte.

Eher selten wurde eine mittlerweile uralte Empfehlung zum Outfit beherzigt: „Wenn du nach San Francisco kommst, trage eine Blume im Haar.“ Doch jene bewegten Zeiten waren trotz vieler kleiner Anleihen sehr weit weg an diesem Abend.

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