Spezialfirma überprüft 2,2 Kilometer Kanalnetz in Rönsahl

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Nachdem der Kamerawagen von seiner 95-Meter-Erkundungstour zurückgekommen ist, wird er von Daniel Richstein gesäubert, überprüft und auf seinen nächsten Einsatz vorbereitet.

Kierspe - Die dreckigste Arbeit muss das dritte „Teammitglied“ erledigen, während Hermann-Josef Voß die Monitore im Blick behält und Daniel Richstein sich um die Absicherung des Transporters, die Abdeckung des Kanals sowie den reibungslosen Kabelnachschub kümmert.

Dann fährt der Kamerawagen durch das rund 20 Zentimeter im Durchmesser messende Kanalrohr, das unter der Straße Am Wernscheid in Rönsahl verlegt ist. Kurz bevor die Spezialisten der Firma Kandis aus Schmallenberg mit der Inspektionsfahrt begonnen haben, hat ein Spülwagen den Kanal gereinigt. Trotzdem tauchen im Kamerabild des ferngesteuerten Fahrzeugs immer wieder die Hinterlassenschaften auf, die aus den Hausanschlüssen kommen.

Rund 95 Meter fährt die Kamera ab und zeigt Voß in seine Beobachtungskabine im Firmentransporter auf dem Bildschirm ein genaues Bild von dem Zustand des mehr als 50 Jahre alten Rohrs. Eigentlich ist dieses noch ganz gut im Schuss. Doch an einigen Stellen tauchen Risse auf, das eine oder andere Anschlussstück sieht nicht mehr ganz astrein aus und hin und wieder ist auch ein deutlicher Versatz zwischen den Rohrstücken sichtbar.

Nach 95 Metern ist bei dieser Fahrt Schluss. Denn dann endet das Rohr in einem Schacht. Dort geht es ein ganzes Stück senkrecht bergab. Das Kamerafahrzeug, das enorm wendig ist und so manches Hindernis im Kanal überwinden kann, muss stoppen. Bei einem reinen Kamerapreis von rund 19 000 Euro sicher auch besser.

Hermann-Josef Voß steuert mit ruhiger Hand den fahrbaren „Kollegen“ unter Tage. Dabei hat er den Monitor im Blick und verzeichnet die Schäden auf einer digitalen Karte.

„Wir haben den Kanal in diesem Bereich im Rahmen der routinemäßigen Überprüfung des städtischen Netzes im Jahr 2008 überprüfen lassen. Jetzt soll die Sanierung erfolgen. Doch vorher muss mit der Kamera überprüft werden, ob sich die Schäden nicht vergrößert haben oder neue hinzugekommen sind“, erklärt Andrea Thelen vom Sachgebiet Tiefbau der Kiersper Stadtverwaltung.

Daniel Richstein und Andrea Thelen von der Kiersper Stadtverwaltung schauen sich auf der Karte noch einmal den nächsten Einsatzort des Teams an.

Dieses Vorgehen hat sich wohl auch in diesem Fall als richtig erwiesen, weil tatsächlich andere und neue Schadensbilder aufgetaucht sind. An einigen Stellen kommt jetzt wohl sogar ein Bagger zum Einsatz, um kleine Stücke des Kanals auszutauschen. Dort ist mit dem Einsatz von Schlauchlinern (große Schläuche, die im Kanal aufgeblasen werden und unter Zuhilfenahme von UV-Licht zu einer stabilen Röhre aushärten) nichts mehr zu machen. Und auch die anderen Verfahren wie Fräsen, Stutzensanierung und Manschettentechnik können dort nicht angewendet werden.

Doch der größte Teil des 2,2 Kilometer langen Kanalnetzes, das jetzt saniert wird, kann instand gesetzt werden, ohne dass die Rohre freigelegt werden müssen. Damit spart sich die Stadt nicht nur die Sperrung von Straßen, sondern auch viel Geld. Allerdings entspricht die Haltbarkeit eines Schlauchliners auch nicht der eines neuen Kanalrohres. „Wir schreiben einen neuen Kanal über 50 Jahre ab, einen sanierten über 25 Jahre“, sagt Thelen. Doch dann wären die Rohre in der Straße Am Wernscheid auch deutlich älter als 80 Jahre.

Doch unabhängig von der Sanierungsmethode spielt die Art der Sanierung für den Anwohner keine Rolle, denn die Kosten zahlen alle, die an das Kanalnetz angeschlossen sind über ihre Abwassergebühren.

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