Jetzt wird es heiß: Schüler bekämpfen echtes Feuer

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Phillip und Paul bekämpfen einen Monitorbrand. Dank Unfallkasse und Innenministerium dürfen sie das tun, obwohl sie noch längst keine 16 Jahre alt sind – und auch nicht über Schutzkleidung verfügen.

Kierspe - Die Flammen schlagen aus dem Monitor. Doch zwei Grundschüler behalten die Nerven, greifen zum Löschschlauch und bekämpfen das Feuer beherzt. Phillip und Paul wissen zumindest theoretisch, was zu tun ist.

Denn auch wenn sie zur sogenannten Blaulicht-AG der Pestalozzischule gehörten, mit echtem Feuer hatten sie bisher wenig zu tun. Das ändert sich nun durch die Brandsimulationsanlage, die – nachdem das Innenministerium diese finanziert hat – nun der Kiersper Feuerwehr zur Verfügung steht.

Auch zwei Feuerlöscher – gefüllt mit Wasser und Druckluft – gehören zur Simulationsanlage, die der Feuerwehr nun zur Verfügung steht.

„Wir dürfen kein echtes Feuer in der Ausbildung verwenden, wenn die Schüler jünger als 16 Jahre alt sind. Das ist in erster Linie eine Frage der Versicherung“, erklärt Wehrleiter Georg Würth. An diese Vorgabe wird er sich in Zukunft in Kinderfeuerwehr, Jugendwehr und auch in der Blaulicht-AG der Grundschulen nicht mehr halten müssen. Denn in Abstimmung mit der Unfallkasse des Landes und einer Erlaubnis des Landesinnenministeriums darf in Kierspe nun mit einer speziellen Brandsimulationsanlage geübt werden, auch dann, wenn die Nachwuchswehrleute noch keine 16 Jahre alt sind. „Die Anlage wird mit Gas betrieben und ist so ausgelegt, dass sie für den Einsatz mit jungen Schülern geeignet ist“, sagt Würth.

Auf Knopfdruck lässt sich das Feuer zünden und löschen.

Rund 13 000 Euro kostet der Simulator, mit dem sich die Brände eines Schrankes, Elektromotors, Bildschirmes und auch einer Fläche simulieren lassen. In Kürze kommen noch weitere Bauteile hinzu, mit denen dann auch eine Fettexplosion und das Explodieren einer Spraydose gezeigt werden können. Finanziert hat die gesamte Anlage das Innenministerium im Rahmen der Initiative „Feuerwehrensache“. Das Kofferwort, das für Feuerwehr und Ehrensache steht, soll klar machen, wie ernst es dem Land mit der Wehr und der Nachwuchsförderung ist.

Wehrleiter Georg Würth.

Insgesamt hat das Land für die Feuerwehr-Schwerpunkte an den Schulen drei der Anlagen bezahlt – für jede Altersgruppe eine. Die Anlage, die es für die Ausbildung an Grundschulen gibt, ist nach Kierspe gegangen, die anderen beiden nach Wuppertal (Sekundarstufe 1) und Heinsberg (Sekundarstufe 2).

Würth: „Eine Wehr unserer Größe hätte sich die Anschaffung nie leisten können. Eingesetzt werden sollen die Geräte aber nicht nur im Unterricht, sondern auch auf Schulfesten und bei der Kinderfeuerwehr.“

Das Besondere an dem Simulator ist, dass die Flammen echt sind – und erst dann ein Ventil den Gasfluss stoppt, wenn die richtigen Stellen über eine ausreichende Zeit mit Wasser bekämpft wurden. Klappt das einmal nicht, lässt sich das Feuer auf Knopfdruck an einer Fernbedienung löschen – genauso wird es auch entzündet. Doch bei aller Sicherheit, die Hitze des Feuers bleibt. Und diese hält die jungen Wehrleute auf Abstand. So wird der Respekt vor den Flammen ganz nebenbei zum Lernziel.

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