Der Ehrenhain muss vom Wald unterscheidbar sein

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Eine Seltenheit ist die Lindenallee in Kreuzform.

Kierspe - Viele Kiersper nehmen den Ehrenhain kaum oder gar nicht wahr – mancher weiß gar nicht, dass es dieses Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs gibt. Das zumindest stellte der Heimatverein fest, der sich am Wochenende mit tatkräftiger Unterstützung um das „Waldstück“ kümmerte.

Zu finden ist der Ehrenhain im Dorf vor den Toren des alten Friedhofs – hinunter bis zum Klösterchen. 1924 pflanzte dort die evangelische Kirchengemeinde auf ihrem Grundstück 154 Eichen, je eine für ein im Ersten Weltkrieg gefallenes oder vermisstes Gemeindemitglied. 16 weitere Eichen wurden noch hinzu gepflanzt. Diese waren für die Kiersper, die nicht in der evangelischen Kirche waren und ebenfalls im Ersten Weltkrieg ihr Leben gelassen haben.

„Das Gelände, auf dem sich der Friedhof jetzt befindet, wurde von der Kirchengemeinde an die Stadt Kierspe verpachtet mit der Auflage, dass diese den Ehrenhain pflegt“, so Marlen Vedder vom Kiersper Heimatverein. „Das hat nicht so richtig funktioniert.“ Kräftiger Unterwuchs von Büschen und Efeu hatte sich im Laufe der Jahrzehnte unter den Eichen breit gemacht. Auch eine Eibenhecke, die den Ehrenhain vom Soldatenfriedhof und Fremdarbeiterfriedhof optisch trennen, aber den Blick freilassen sollte, wurde mit den Jahren meterhoch.

Aufmerksam wurden die Mitglieder des Heimatvereins auf den Ehrenhain, nachdem Christiane Busch und Harald Kredle eine Präsentation der Kiersper Gedenkstätten für die Partnerstädte in Frankreich und England erstellt hatten. Erst bei der Gedenkfeier war aufgefallen, dass der Ehrenhain nicht unter Denkmalschutz steht, sondern als Wald ausgewiesen ist. „Wald kann man jedoch nicht unter Schutz stellen, eine Gedenkstätte aber schon“, so Vedder. Nachdem Sachbearbeiter vom Landwirtschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) sich den Ehrenhain angesehen hatten, gaben sie dem Heimatverein Tipps, wie sie ihn unter Denkmalschutz stellen lassen können.

Tatkräftig halfen die Reservisten des KSV dem Heimatverein beim Entfernen des Unterholzes.

 „Der Ehrenhain muss als Gedenkstätte erkennbar sein und nicht als Wald, das wurde uns gesagt“, führte Silvia Baukloh, Vorsitzende des Heimatvereins, an. „Daher sollte der Hain umgestaltet und der Unterwuchs entfernt werden. Das machen wir heute zusammen mit den Reservisten und weiteren Mitgliedern des Kiersper Schützenvereins.“ Der zweite Schritt zum erklärten Denkmalschutz ist der Beschluss des Rates der Stadt Kierspe, den Ehrenhain sowie den Bereich Friedhof vom Tor bis zur Kapelle unter Denkmalschutz zu stellen. Der LWL habe das Vorhaben bereits positiv beurteilt.

Und noch etwas war den Vertretern des LWL aufgefallen: Kierspe besitzt auf dem alten Friedhof eine Lindenallee in Kreuzform, die vom Tor bis zur Kapelle geht. Solch eine Anlage sei ungewöhnlich und den Vertretern des LWL noch nie begegnet. Aus der Luft sei dieses Kreuz auf Satellitenbildern gut zu erkennen.

Herzhaft anpacken hieß es deshalb nicht nur für die vier Frauen des Heimatvereins, sondern auch für 14 Männer des KSV und des Reservezuges. Von ihnen wurden Büsche beschnitten, Efeu – welcher die Bäume hochrankte – entfernt und auch kleine Eichen entnommen.

Rechts und links der Wege türmte sich nach der Aktion der Grünschnitt mannshoch. Jetzt wollen Marlen Vedder und ihre Mitstreiterinnen die Bäume kartieren, also auszuweisen und nummerieren, damit klar wird, wie viele Bäume noch stehen. Denn bereits jetzt ist klar, dass einige fast 100 Jahre alten Eichen in der Vergangenheit gefällt wurden.

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