Heimatverein: Krieg wird zu den Akten gelegt

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Harald Kredler und Christiane Busch (Zweite von rechts) übergaben den Ordner mit den Unterlagen und Fotos zur Weltkriegsausstellung im Beisein von Oriane Gaudin aus Montigny an Silvia Baukloh (rechts) vom Heimatverein.

Kierspe - Als Fritz-Linde in Frankreich seinen Dienst versah, waren seine, beziehungsweise die Absichten Deutschlands, nicht gerade friedlich. Mehr als 100 Jahre ist es her, dass sich Frankreich und Deutschland im Ersten Weltkrieg gegenüberstanden. Aus diesem Anlass gab es in den Partnerstädten Kierspe, Montigny und Denton eine Ausstellung. Die Unterlagen, die dazu der Partnerschaftsverein zusammentrug, wurden nun an den Heimatverein übergeben.

„2013 hatte die Stadt Montigny die Anregung zu einer Ausstellung über den Ersten Weltkrieg gegeben – und auch die Struktur erarbeitet“, erinnert sich Harald Kredler, Mitglied und früherer Vorsitzender des Vereins für Städtepartnerschaft. Gemeinsam mit Christiane Busch, der Zweiten Vorsitzenden des Vereins, machte er sich in Kierspe auf die Suche nach alten Unterlagen, Bildern, Büchern und Ausstellungsstücken, um die Kiersper Beteiligung an dem Krieg und dessen Auswirkungen auf die Partnerstadt zu dokumentieren. Kredler: „Da war natürlich auch Fritz Linde ein Thema.“ Der Heimatdichter war als Soldat in der „Feste Graf Haeseler“ nahe Verdun eingesetzt – und damit ganz nah an dem Ort, der für eine beispielslose Vernichtung von Menschenleben in einem festgefahrenen Stellungskrieg steht, wie kein zweiter.

Aus diesem Krieg schrieb Linde an seine Lieben in der Heimat. Diese Briefe – übersetzt von Kredler – wurden ebenfalls Teil der Ausstellung.

Im November 2014 wurden diese dann mit den anderen Exponaten in Montigny gezeigt. Anschließend bereitete der Partnerschaftsverein eine Ausstellung in Kierspe vor, die für 14 Tage im November 2015 in Kierspe gezeigt wurde. Darin enthalten auch Material aus der englischen Partnerstadt Denton. Die englische Stadt hatte vor mehr als 100 Jahren die meisten Einwohner der drei Städte als Soldaten im Krieg – und auch die meisten Verluste zu beklagen. Kredler: „Das ist aber auch sicher dem Umstand geschuldet, dass diese Stadt schon damals sehr viel größer als Kierspe und Montigny war.“

In Denton selbst wurde die Ausstellung dann im März dieses Jahres gezeigt.

Nun sind alle Unterlagen und Ausstellungsstücke wieder zurück. Ein Teil der Exponate wurde an die Besitzer zurückgegeben, die Schriftstücke und die reproduzierten Bilder sind in einem prall gefüllten Büro-Ordner gelandet – sauber geordnet von Harald Kredler. „Vielleicht will ja mal jemand wissenschaftlich zu diesem Thema arbeiten, dann hat er auf jeden Fall eine gute Grundlage“, erklärt der Kiersper.

Nun wurde der Ordner von Kredler und Busch an die Vorsitzende des Heimatvereins Silvia Baukloh übergeben. Kredler: „Dort gehören die Dokumente hin. Außerdem hat uns der Heimatverein – vor allem Ortsheimatpfleger Ulrich Finke – sehr unterstützt bei der Suche nach Material über diese Zeit.“

Der Heimatverein wird den Ordner nun erst einmal zu den anderen historischen Akten stellen – in seinen ebenfalls historischen Tresor. Ob dann dieser zu den Akten gelegte Krieg noch einmal ans Tageslicht kommt, wird sich zeigen. Christiane Busch ist da jedenfalls nicht sehr zuversichtlich: „In Deutschland ist der Erste Weltkrieg wohl kein großes Thema mehr. Das sieht in Frankreich und England ganz anders aus. Dort wird die Erinnerung an diese furchtbare Zeit wach gehalten – auch außerhalb von Veranstaltungen zum Gedenken an den Kriegsbeginn vor 100 Jahren.“

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