Hegering: „Landesjagdgesetz wird sich nicht bewähren“

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Sehen Spaziergänger im Wald ein Jungtier müssen sie nicht eingreifen – im Gegenteil. Hegeringleiter Matthias Heveling erklärt: „Bitte in Ruhe lassen. Anders als es scheint, ist das Jungtier nicht verlassen worden. Das Muttertier befindet sich in der Nähe.“

Kierspe - Gegen das vor einem Jahr verabschiedete NRW-Landesjagdgesetz sind neben  jetzt auch zwei Verfassungsbeschwerden beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe eingereicht worden. Der Hegering Kierspe-Rönsahl befürwortet dieses Vorgehen.

Darauf weist der Landesjagdverband (LJV) Nordrhein-Westfalen in einer Pressemitteilung hin. Der LJV unterstütze die Verfassungsbeschwerden, heißt es weiter. LJV-Präsident Ralph Müller-Schallenberg: „Damit gehen die nordrhein-westfälischen Jäger wie angekündigt auch juristisch gegen das Landesjagdgesetz vor. Es ist eigentumsschädlich, ideologisch geprägt, richtet sich gegen bewährte jagdliche Praxis und missachtet den Einsatz der Jagd für Artenvielfalt und ungeteilten Tierschutz.“

Gleichzeitig wende sich der LJV mit seinen Partnern des ländlichen Raumes mit dem Instrument der Volksinitiative weiter politisch gegen das Gesetz. Die für den Erfolg erforderlichen 66 500 behördlich testierten Unterschriften habe der LJV bereits zusammen. Bis zum Sommer sollen mehr als 100 000 Unterschriften zusammenkommen, heißt es. Damit werde sich der nordrhein-westfälische Landtag in absehbarer Zeit erneut mit dem von Anfang an umstrittenen Gesetz der rot-grünen Koalition in Düsseldorf befassen müssen.

Die Ansichten des LJV werden auch beim Hegering Kierspe-Rönsahl geteilt. Bei den heimischen Jägern stößt auch die Unterschriftenaktion des Verbandes auf Zustimmung. „Ich befürworte das. Das Gesetz gilt seit einem Jahr und es hat sich herausgestellt, dass es sich einfach nicht bewähren wird“, betont Hegeringleiter Matthias Heveling, der anhand von anschaulichen Beispielen darstellt, was aus seiner Sicht am Landesjagdgesetz zu bemängeln ist.

Beispiele für Schwächen des Jagdgesetzes

„Konkretes Beispiel: Bleifreie Munition ist jetzt vorgesehen. Zuvor haben wir seit vielen Jahren mit bleihaltiger Munition geschossen, da dies physikalisch Sinn macht“, erklärt Heveling. „Sprich: Wenn die Kugel das Wild trifft, wird viel Energie freigegeben, so dass ein schneller und tierschutzgerechter Tod eintritt. Die bleifreien Legierungen sind hingegen noch nicht so ausgereift, dass die Wirkung vergleichbar rasch eintritt.“

Als weiteres Beispiel erläutert der Hegeringleiter: „Es gibt Rotwild-Bewirtschaftungsgebiete. Dazu zählt beispielsweise das Ebbegebirge. Der Hirsch ist das größte in Deutschland lebende Säugetier, und sobald er einen Fuß aus seinem jeweiligen Bewirtschaftungsgebiet heraustritt, müssen wir ihn totschießen, weil der Gesetzgeber das so vorsieht. Eine Verbreitung des Hirsches ist also nicht gewünscht – im Gegensatz zum Wolf“, betont Heveling.

Hegering sucht Helfer

Der Hegering Kierspe-Rönsahl sucht Helfer. Matthias Heveling erklärt: „Regelmäßig liegen Rehkitze in den Wiesenflächen, die von Landwirten bewirtschaftet werden. Um die Kitze vor einem qualvollen Mäh-Tod zu bewahren, suchen Jäger und Landwirte gemeinsam die Flächen ab.“ Interessierte, die hierbei mithelfen wollen, können sich kurzfristig bei Matthias Heveling per E-Mail an mheveling@hegering-kierspe-roensahl.de melden.

Jungwild in Ruhe lassen

Hegeringleiter Matthias Heveling weist darauf hin, dass aktuell Brut- und Setzzeit ist. „Daher kann es vorkommen, dass Spaziergänger im Wald ein Jungtier sehen. Dann gilt: Hunde bitte anleinen“, so Heveling. Und außerdem: „Das Jungwild bitte in Ruhe lassen. Anders als es scheint, ist das Jungtier nicht verlassen worden. Es braucht keine Hilfe. Das Muttertier befindet sich in der Nähe und kümmert sich um die Futtersuche.“

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