Missbrauch-Prozess im Landgericht fortgesetzt

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Vor dem Landgericht Hagen fand am Montag der zweite Prozesstag gegen einen 77-jährigen Kiersper wegen massiven sexuellen Missbrauchs statt.

Kierspe - Mit den ersten Zeugenvernehmungen wurde am Montag der Prozess gegen einen 77-jährigen Kiersper fortgesetzt, der eine seiner Stiefenkelinnen zwischen 2002 und 2011 massiv sexuell missbraucht hatte.

Doch zuvor berichtete der Vorsitzende Richter Marcus Teich von einem Gespräch, das Täter und Opfer in einer Kanzlei hatten. „Es war etwas schwierig, zu einer Übereinkunft zu kommen“, erklärte Rechtsanwalt Hans-Jürgen Steiger. „Meine Mandantin ist weinend aus dem Raum gelaufen.“

Eine eher laue Entschuldigung des 77-Jährigen habe sie „zur Kenntnis genommen“, aber nicht angenommen. Aufgrund ihrer emotionalen Verfassung wolle die 18-Jährige auf jeden Fall eine Aussage vor Gericht vermeiden. Sie habe kein Interesse daran, ihren Stiefopa ins Gefängnis zu bringen.

Der Angeklagte gab über seinen Anwalt im Gegenzug eine Erklärung ab, dass alle Anklagevorwürfe zuträfen. „Er übernimmt die Verantwortung für die ihm vorgeworfenen Taten und wird der Geschädigten nicht mehr vorwerfen, die Unwahrheit gesagt zu haben.“

Strenge Blicke der Juristen lassen Angeklagten verstummen

Schon eine Nachfrage des Vorsitzenden brachte den Angeklagten aber wieder zurück auf das Gleis einer Leugnung des Geschehens. „Das sei alles nicht so ganz richtig“, hob er zu erklären an und schwieg wohl weniger aus echter Überzeugung als vielmehr unter dem strengen Blick der Berufsjuristen.

Dem Gutachten der Psychologin Cornelia Orth über die Glaubwürdigkeit der 18-Jährigen kam deshalb noch Bedeutung zu. Sie sah keinerlei Hinweise auf eine Falschaussage der Zeugin. Im Gegenteil habe diese eine sehr vorsichtige, schambesetzte und glaubwürdige Aussage über den jahrelangen Missbrauch gemacht.

Perfiderweise hatten die Übergriffe wohl schon in einem Alter begonnen, an das man sich zumeist nicht mehr erinnern kann. Die Folge war, dass das Kind lange Zeit glaubte, dass das normal wäre und alle Kinder so etwas mit ihrem Opa machen. Erst viel später sei ihr dann aufgegangen, dass da etwas fundamental nicht stimmte.

Ältere Schwester: "Opa ist böse"

Mit seinem Geständnis räumte der Angeklagte auch ein, dass er 1997 das Gleiche mit der älteren Schwester versucht hatte. Das Kind war allerdings schon alt genug, um zu begreifen, dass der Opa da etwas Verbotenes tat. „Opa ist böse“, erklärte sie zuhause und weigerte sich, sich dafür zu entschuldigen. Ans Licht kamen die Geschichten erst, als auch ihre größer gewordene Schwester einen Besuch beim Opa verweigerte.

Doch die Familie brauchte noch mehrere Jahre und eine Schulpsychologin, bis die Kinder 2014 endlich bei einer Polizeipsychologin saßen. Die Eltern waren offenbar überfordert mit der Situation. Es war bitter, als der Vater sich im Gerichtssaal an ein „sehr fröhliches Kind“ erinnerte, das „ein ganz anderer Mensch“ geworden sei.

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