Schöne Sprüherei am Kiersper ZOB

Ein 22 Meter langes, farbenfrohes Graffito ziert nun die Stützmauer am ZOB. Vorher zeigten beleidigende und nicht jugendfreie Schmierereien ein Bild der Verwahrlosung.

Kierspe - Schöne Sprüherei statt schäbiger Schmierereien: Seit dem Wochenende erstrahlt an der Stützmauer des Gehwegs zum Busbahnhof ein großes, farbenfrohes Graffiti, das aus den Sprühdosen der jungen Künstler Tobias Reichler und Ole Hafner stammt.

Die Stadtverwaltung und die UWG Kierspe haben auf die Fähigkeiten der beiden gesetzt, um einen Schandfleck im Stadtgebiet zu beseitigen. Pubertäres Gekritzel und beleidigende, nicht jugendfreie Sprüche „zierten“ noch bis Freitagnachmittag die triste Stützmauer am ZOB.

Bereits im November 2015 hat es sich die UWG zur Aufgabe gemacht, dagegen etwas zu tun. Dazu suchte Rüdiger Däumer den Kontakt zu den Graffiti-Künstlern Reichler und Hafner. Nach Abstimmung mit der Stadtverwaltung und im Ausschuss für Umwelt und Bauen konnten sich die beiden nun aus Werk machen.

Für ihr Motiv, das sich über 22 Meter entlang des Gehwegs erstreckt, haben sich die Sprayer für den Schriftzug „Bahnhof Kierspe“ im sogenannten Old-School-Stil entschieden. „Wir haben eine klare, lesbare Schrift gewählt, damit Otto-Normalverbraucher das ganze auch beim Vorbeifahren lesen können“, erklärt der Meinerzhagener Tobias Reichler.

Initiator Rüdiger Däumer (UWG) plant mit den Sprayern Tobias Reichler (links) und Ole Hafner die letzten Schritte.

Bevor sich die beiden ans Sprühen machen konnten, haben sie sich Gedanken gemacht, was zukünftig den Bus- und möglicherweise auch bald den Bahnpassagieren ins Auge springen soll. „Der Rabe als Wahrzeichen Kierspe gehörte natürlich dazu. Zudem wollten wir den Zusammenhang mit dem Bahnhof herstellen und haben deshalb einen Zug dazugenommen“, sagt Ole Hafner, der aus Reichshof stammt.

Zwei Tage und geschätzt 56 Sprühdosen später ist von den Schmierereien nichts mehr zu sehen. Das Ziel ist erreicht. „Die Aktion soll das Umfeld verschönern und die Jugendkultur unterstützen“, sagt Däumer. Zudem spare sie der Stadt Kosten für die Entfernung der alten, fragwürdigen Hinterlassenschaften. „Die Schmierereien sind ein Zeichen der Verwahrlosung, das Graffito steht hingegen für Kreativität, gute Laune und Aktionismus.“

Das Kunstwerk soll lange Zeit ein schöner „Farbklecks“ im Stadtbild sein, das erhoffen sich die Initiatoren und die beiden Künstler. Geschützt werden soll es durch den ungeschriebenen Ehrenkodex der Graffiti-Szene – die Motive anderer werden nicht „übermalt“. Reichler: „Wer ein echter Sprayer ist, der sollte sich auch daran halten.“ Sorgen, dass irgendjemand ihr Graffito beschmiert, haben die jungen Künstler nicht. „Hier in der Gegend sind wir die einzigen, die das ernsthaft betreiben. Wir glauben dabei an den guten Menschenverstand“, sagen die beiden Sprayer.

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