Initiative für ein barrierefreies Kierspe

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Die Rampe am Rathaus ist nur eine von vielen „schlimmen Ecken“ für beeinträchtigte Einwohner. Deshalb wollen Peter Christian Schröder (FWG) und Ralf Ullrich (SPD) sowie Doris Fittig und Jürgen Grzelka (Beirat Awo-Seniorenzentrum) auf die Missstände in der Stadt aufmerksam machen. Sie erstellen ein Konzept für ein barrierefreies Kierspe.

Kierspe - Kopfsteinpflaster und eine steile Rampe am Rathaus, hohe Bordsteine an der Thingslindestraße und tiefe Abflussrinnen am Haunerbusch: Nur in ständiger Angst zu fallen, können sich Doris Fittig und Jürgen Grzelka in Kierspe fortbewegen.

Die Rollstuhlfahrerin und der Rollatornutzer kennen viele „schlimme Ecken“. Mit der Barrierefreiheit sei es in ihrer Heimatstadt nicht weit her, da sind sich die beiden einig. Gemeinsam haben sich Ralf Ullrich (SPD) und Peter Christian Schröder (FWG) diesem Thema angenommen. Sie weisen auf die Gefahren und Probleme für Senioren und Behinderte im Stadtgebiet hin und legen dabei ein besonderes Augenmerk auf das Rathausumfeld.

„Hier wird recht wenig bis gar nichts getan“, sagt der Fraktionsvorsitzende der Freien Wählergemeinschaft, der vor allem am Rathaus durch das Kopfsteinpflaster eine Gefährdung für Behinderte, aber auch etwa für Kinder mit Fahrrädern sieht. „Wir leben in einer Inklusions-Gesellschaft, das passt nicht in Bild“, ergänzt das Fraktionsmitglied der SPD. Deshalb wolle man mit den Mitgliedern des Beirats des Awo-Seniorenzentrums Fittig und Grzelka als Stellvertreter für alle beeinträchtigen Kiersper die Öffentlichkeit, die Politik und die Verwaltung für mehr Barrierefreiheit sensibilisieren.

Das Kopfsteinpflaster am Springer Weg sorgt bei Rollstuhlfahrern und Nutzern von Rollatoren für Probleme.

Das Thema muss einen festen Platz in der Stadtplanung haben, fordern die beiden Politiker. Bereits 2011 habe die FWG ein Konzept erstellt. „Das wurde aber aus fadenscheinigen Gründen abgelehnt“, sagt Schröder. In einem weiteren Anlauf soll nun auf die Missstände aufmerksam gemacht werden. „Selbst in dem relativ jungen Seniorenzentrum Haunerbusch/Montigny-Allee mit zwei großen Seniorenheimen, seniorengerechten Wohnungen plus angrenzender idealer Infrastruktur ist es mit der Barrierefreiheit nicht so weit her“, ist in einem offiziellen Schreiben der beiden Politiker und ihrer Fraktionen zu der „Initiative für barrierefreies Kierspe“ zu lesen.

Nach und nach wolle man die Thematik abarbeiten und auch den entsprechenden Ausschuss sowie die Landesbehindertenbeauftragte einbeziehen. Kurzfristig soll der Bürgermeister gebeten werden, die gröbsten Löcher vor dem Rathaus zu beseitigen und mittelfristig Gelder im Haushalt einzustellen, um das aufgestellte Konzept umzusetzen.

„Barrierefreiheit ist bei der Stadt auf jeden Fall ein Thema“, betont Karsten Seil, Sachgebietsleiter Tiefbau. Bei neuen Überquerungen beziehe man auch die geltenden Vorschriften mit ein. Bei Baumaßnahmen nehme man auch immer die Hinweise für barrierefreie Verkehrsanlagen (HBVA) von 2011 zur Hand.

Zwiespalt der Stadtplaner

So auch am Haunerbusch: Dort hat die Stadt für sehbehinderte Passanten sogenannte taktile Elemente in den Gehweg eingebaut. „Es ist nicht immer leicht, allen Ansprüchen gerecht zu werden. Für Blinde sind Kanten an Überwegen hilfreich. Rollstuhlfahrer hätten am liebsten eine maximale Absenkung“, erklärt Seil. Den Zwiespalt, in dem Stadtplaner stecken, veranschaulicht der Sachgebietsleiter an der Goethestraße. Dort habe man an den Querungshilfen nicht auf eine kleine Kante verzichten können – aus abwassertechnischen Gründen. „Wir leben im Sauerland, hier regnet es nun einmal häufiger. Eine Wasserführung muss deshalb vorhanden sein. Wir sind aber bemüht, einen Mittelweg für alle Beeinträchtigungen zu finden.“

Dass es mit der Barrierefreiheit im Rathausumfeld nicht gut bestellt ist, das weiß auch der Tiefbauleiter. Man habe vor 20 Jahren, beim Umbau des Verwaltungsgebäudes, noch eine andere Sicht auf die Dinge gehabt und erst in den vergangenen Jahren gelernt, welchen Einfluss die Demografie auch auf das Stadtbild hat. Seil: „Der Springer Weg wurde damals aus optischen Gründen gepflastert. Die bestehenden Strukturen umzubauen, das geht nicht von heute auf morgen.“ Für den nächste Haushalt werde man auf jeden Fall Mittel für Baumaßnahmen einplanen. Inwieweit diese dann genehmigt werden, dass sei naturgemäß unklar, so der Sachgebietsleiter.

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