Untätigkeit soll möglichst schnell beendet werden

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Freuen sich über die gute und unkomplizierte Zusammenarbeit zwischen den Behörden: (von links) Eva Henseler, Kira Stücken (beide Arbeitsagentur), Oliver Knuf (Stadtverwaltung), Karin Käppel (Arbeitsagentur) und Martina Vortel (Job-Center).

Kierspe - Für die ersten Flüchtlinge, die nach Kierspe kamen, ist nicht mehr die Stadt zuständig, sondern das Job-Center. Einige werden aber parallel noch von der Arbeitsagentur gefördert. Dass das alles klappt, liegt an der gewollten unbürokratischen Zusammenarbeit und einem Erfassungsbogen, der in Kierspe entwickelt wurde.

„Die Arbeitsagentur hatte einen eigenen Erfassungsbogen entwickelt, doch der war so abgefasst, dass er auch von Menschen ausgefüllt werden konnte, die nur über geringe Deutschkenntnisse verfügen. In Kierspe sind wir dann auf einen Erfassungsbogen gestoßen, der sehr viel mehr abfragt und mit dem sich besser arbeiten lässt“, erklärt Karin Stücken, Leiterin des Integration Point der Agentur.

Entwickelt hatte den Kiersper Bogen der Arbeitskreis Flüchtlinge. In Zusammenarbeit zwischen Arbeitskreis, Job-Center, Arbeitsagentur und Stadtverwaltung wurde dieser dann so angepasst, dass die Flüchtlinge nun bei allen drei Ansprechpartner keinen erneuten Erfassungsbogen ausfüllen müssen. „Das erspart uns viel Arbeit und ist vor allem für die Geflüchteten eine deutliche Erleichterung“, sagt Karin Käppel, die Leiterin der Arbeitsagentur Iserlohn.

In den vergangenen beiden Jahren wurden Kierspe rund 350 Flüchtlinge zugewiesen, für deren Unterbringung und Versorgung die Stadtverwaltung zuständig ist. Erst wenn der Aufenthaltsstatus geklärt ist, werden diese vom Job-Center betreut. Ein Prozess, der im ungünstigsten Fall Jahre dauern kann – wobei ein Jahr wohl dem Normalfall entspricht. „Früher kamen die Menschen dann zu uns und hatten Jahre in Untätigkeit und ohne Sprachkurs verbracht“, schildert Martina Vortel, die beim Job-Center als Sachgebietsleiterin für den Bereich Markt und Integration arbeitet, die bislang gängige Praxis.

Orientierung am Arbeitsmarkt

Das habe sich grundlegend geändert, erklären einmütig Stadtverwaltung, Arbeitsagentur und Job-Center. Denn mittlerweile werden die Menschen auch wenn ihr Aufenthaltsstatus noch nicht geklärt ist, vom Integration Point der Arbeitsagentur betreut. Je nach Bleibeperspektive erhalten die Flüchtlinge dann bereits Möglichkeiten zur beruflichen Orientierung oder auch Sprachkurse. „Dabei orientieren wir uns sehr stark an dem Arbeitsmarkt und daran, welche Qualifikationen nachgefragt werden“, sagt Eva Henseler, Migrationsbeauftragte der Arbeitsagentur und zuständig für den südlichen Märkischen Kreis.

Oliver Knuf, Sachgebietsleiter Soziales bei der Stadtverwaltung: „Damit haben die Menschen Beschäftigung und die Chance, nach einer Anerkennung schneller in den Arbeitsmarkt zu kommen.“

Umfassende Betreuung ist nicht umsonst

Doch zum Nulltarif ist diese intensive Betreuung nicht zu bekommen. „Wir wollten auf jeden Fall verhindern, dass die Menschen, die bereits im Leistungsbezug sind, Nachteile oder längere Arbeitszeiten in Kauf nehmen müssen. Deshalb mussten wir viele Mitarbeiter neu einstellen, die sich der Geflüchteten annehmen“, führt Käppel aus.

Vortel ergänzt gar: „Das ist das erste Mal, dass wir Leute einstellen konnten, bevor die Menschen zu unseren Beratern kommen.“ Und so werden die Flüchtlinge, die in Zukunft in Kierspe vom Job-Center betreut werden, auch einen speziellen Berater vorfinden. Derzeit sind nach Angaben von Vortel von den 350 Menschen, die nach Kierspe gekommen sind, rund 40 in die Zuständigkeit des Job-Centers gewechselt.

Hochmotivierte Flüchtlinge

Und über diese „Kunden“ möchte sich niemand bei Agentur und Job-Center beschweren. „Die Geflüchteten sind hochmotiviert und bereit, alle Maßnahmen anzunehmen“, sagt Käppel. Eine Beobachtung, die auch Vortel teilt: „Wenn das Job-Center Informations-Veranstaltungen anbieten, kommen meist mehr, als wir einladen. Denn nahezu alle Flüchtlinge haben ein großes Interesse daran, möglichst schnell eine Beschäftigung in Deutschland zu finden.“

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