Ein guter Wald in Stadtnähe ist ein Standortfaktor

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Die Bedeutung des städtischen Waldes war das Thema von Jörn Hevendehl im Ausschuss für Umwelt und Bauen.

Kierspe - Der Wirtschaftsplan, der am Dienstagabend Thema im Ausschuss für Umwelt und Bauen war, ist mittlerweile längst zu einem Bericht geworden, da die Arbeiten, die in dem Plan den Ausschussmitgliedern vorgelegt wurden, bereits erledigt wurden, allerdings stark abweichend von den Vorgaben.

Waldarbeiten sollten möglichst im Winterhalbjahr erledigt werden, dann hinterlassen die Maschinen auf gefrorenen Böden die geringsten Schäden und die Bäume führen kein Wasser. So wurden auch die Arbeiten im städtischen Wald, der eine Größe von 109 Hektar hat, bereits im Winterhalbjahr erledigt. Geplant waren Einschläge, die ein Ergebnis von 19.330 Euro hätten nach sich ziehen sollen. Tatsächlich wurde aber so viel Holz eingeschlagen, dass die Stadt nun mehr als 50.000 Euro auf der Habenseite verbuchen konnte.

Der zuständige Sachbearbeiter Klaus Müller hatte sowohl in der Vorlage als auch in der Sitzung versucht, zu erklären, wie es dazu kommen konnte. So habe er den Plan nicht im Februar vorlegen wollen, da zu diesem Zeitpunkt extreme Unruhe in der Forstbetriebsgemeinschaft geherrscht habe, bei der für April geplanten Sitzung sei er durch einen schweren Unfall nicht anwesend gewesen. 

So sei die Sitzung am Dienstag der erste Termin gewesen, an dem der Plan hätte vorgelegt werden können. Müller versprach aber, dass sich dieses zukünftig nicht wiederholen werde, da der Plan nun immer im Spätherbst auf die Tagesordnung kommen solle.

In der Vorlage zur Sitzung war zu lesen, wie es zu mehr als einer Verdopplung des Ergebnisses gekommen sei. So habe der vorgesehene Einschlag im Bereich Wernscheid nicht die geplante Menge von 109 Festmetern erbracht, sondern 209. Aus diesem Grund habe man andere geplante Einschläge in diesem Gebiet auf das kommende Jahr verschoben.

Im Bereich Wienhagen habe das beauftragte Forstunternehmen einen sogenannten Vollernter eingesetzt. In der Vorlage heißt es dazu, da die Maschine einmal vor Ort gewesen sei, habe sich die Erweiterung des Einschlags auf eine andere „Abteilung“ in diesem Bereich angeboten und aufgrund eines Durchforstungsrückstaus in beiden „Abteilungen“ habe man 455 Festmeter geerntet.

Jörn Hevendehl, stellvertretender Leiter des in Lüdenscheid ansässigen Forstamtes, war zu der Sitzung nach Kierspe gekommen und nutzte seine Redezeit, den Mitgliedern des Ausschusses vor Augen zu führen, welche besonderen Aufgaben der städtische Wald habe, wie wertvoll dieser sei und welche Möglichkeiten die Fachpolitiker hätten, um auf Einschlag und Pflege Einfluss zu nehmen.

„Ein guter Wald in Stadtnähe ist ein Standortfaktor, deshalb ist der Erholungswert des städtischen Waldes besonders wichtig. Das Gesetz fordert, diesen zu schützen und weiter zu fördern. Deshalb handelt es sich nicht um einen reinen Wirtschaftswald“, erklärte Jörn Hevendehl.

Trotzdem verzichtete der Forstbeamte aber nicht darauf zu erwähnen, welche wirtschaftliche Bedeutung der Wald im Lande habe. „Vom nordrhein-westfälischen Wald leben 180 000 Menschen. Im Wald selbst leben 5000 Pflanzen- und 7000 Tierarten“, brachte er Ökonomie und Ökologie zusammen.

Im Anschluss an den ausführlichen Vortrag von Hevendehl waren sich die Ausschussmitglieder einig, noch nie eine solch umfassende Erläuterung zu diesem Thema gehört zu haben.

Einige der Politiker versuchten, die Aussprache zu diesem Punkt dazu zu nutzen, auf den gekündigten Vertrag zwischen der Forstbetriebsgemeinschaft und dem Landesbetrieb Wald und Holz zu sprechen zu kommen, wobei Hevendehl nur sehr zögerlich oder gar nicht auf einige der Fragen einging.

Letztlich war es der Ausschussvorsitzende Christian Reppel, der die Mitglieder aufforderte, zum Thema zurückzukehren und so eine ausufernde Diskussion verhinderte.

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