In der Brennerei erklingt die „Sprache des Regens“

In der Brennerei erklingt die „Sprache des Regens“

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Hans Fuecker begeisterte die Besucher in der Historischen Brennerei mit der Posaune.

Kierspe - Portugiesisch ist eine schöne Sprache – ebenso wie ihr brasilianischer Sprössling, die Sprache des Bossa Nova. Viel davon hatten Bianka Kerres (Gesang), Hans Fuecker (Klavier, Posaune und Harmonika), Marcel Wasserfuhr (Schlagzeug), Konstantin Winstroer (Kontrabass und E-Bass) im Gepäck, die am Sonntag auf Einladung des Kulturvereins KuK in der gutgefüllten, aber nicht ausverkauften Alten Brennerei in Rönsahl als „Brasil Connection“ auftraten.

Als ganz besonderen Gast begrüßte die Runde einen echten „Carioca“: Daniel Rolim, Bürger von Rio de Janeiro, großartiger Komponist, Sänger und Gitarrist. Fünf Titel hatte er mitgebracht, die sich ganz prächtig in den Reigen der Klassiker einfügten. Das war Gute-Laune-Musik im allerbesten Sinn. Daniel Rolim sang selber, zuweilen im Duett mit Bianka Kerres, zupfte viele mitreißende Bossa-Novas auf der Gitarre und gab den anderen Mitgliedern der Combo Gelegenheit zur solistischen Entfaltung: Hans Fuecker nutzte das zu inspirierten Läufen am frisch eingetroffenen Flügel, dem so eine wahrlich leidenschaftliche Bearbeitung zu Beginn seines neuen Lebens in der Brennerei zuteil wurde.

Immer mal wieder griff Hans Fuecker auch zu Trompete und Harmonium und hatte auch dabei sichtlich Spaß. „Wir sind Musiker. Wir wollen doch nur spielen“, antwortete er nach dem Konzert auf die Bitte, doch bald wiederzukommen.

Einer, der glücklicherweise regelmäßig nach Rönsahl kommt, ist Schlagzeuger Marcel Wasserfuhr, der nach dem Swing-Jazz-Abend im Februar nun zeigen konnte, dass er auch die brasilianischen Rhythmen kreativ in Szene setzen kann. Es gab einige Momente, in denen die Musiker kurzzeitig in den swingenden Jazz wechselten – so etwa bei Antonio Carlos Jobims Klassiker „Desafinado“. Erst sang Bianka Kerres eine deutsche Version, die Peter Kraus einst textete: „Unsere Liebe ist seit Tagen leicht verstimmt.“ Darin fand sich die bemerkenswerte Zeile: „Mein Gewissen – das ist diesmal astrein.“ Nach einem swingenden Zwischenspiel sang Daniel Rolim das Original „Desafinado“. Und das machte natürlich Freude – so wie die anderen Klassiker von Antonio Carlos Jobim: „Chega de Saudade“, „Brigas nunca mais“, „Correnteza“ und „Aguas de marco“.

Baden Powell vertonte Texte des Dichters Vinícius de Moraes, von dem auch der brasilianische Text der weltberühmten „Garota de Ipanema“ stammt. Die Band spielte das bekannte „Berimbau“, das Daniel Rolim und Bianka Kerres im Duett sangen, und ein lautmalerisches Stück über „Die Sprache des Regens“. Das gab es auch auf Deutsch in einer Version von Ralph Siegel, die Caterina Valente einst bekannt gemacht hatte. Dazu kamen weitere Titel von Joao Bosco und Chico Bardee sowie zwei Lieder des populären brasilianischen Sängers Djavan.

Tatsächlich gebe es ein Thema, das die brasilianischen Liedermacher noch mehr beschäftige als die Liebe, erklärte Bianka Kerres: die Natur. Regen, Wasserfälle, Liebe und ihre Wechselfälle – „Coração“ (Herz) gehörte zu den meistgehörten Worten in diesem Konzert, das nicht anders enden konnte als mit einem kraftvollen Schlussapplaus und dem nachdrücklichen Wunsch, dass die Musiker dereinst wiederkommen mögen.

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