Mustertücher werden im Fritz-Linde-Museum gezeigt

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Silvia Baukloh freut sich über die große Resonanz und die vielen Mustertücher, die sie im Fritz-Linde-Museum zeigen kann.

Kierspe - Normalerweise sollen sie den Tisch schützen. Doch die Bierdeckel im Fritz-Linde-Museum sind kleine Kunstwerke. Gleich daneben hängen Mustertücher, die keinen anderen Zweck hatten, als die Stickfähigkeiten "höherer Damen" nachzuweisen. Zu sehen sind Deckel und Tücher am kommenden Sonntag in einer Ausstellung.

„Nach dem ersten Aufruf in der MZ hatten wir gar nicht mit einer großen Reaktion gerechnet. Denn es kamen sehr wenige Rückmeldungen. Doch nachdem wiederholt über die Ausstellung berichtet wurde, kamen so viele Anfragen, dass wir jetzt keinen Platz mehr für weitere Mustertücher haben“, sagt Silvia Baukloh vom Heimatverein.

Das älteste Tuch in der Ausstellung stammt aus dem Jahr 1843, die jüngsten wurden Anfang der 2000er-Jahre nachgestickt, die meisten stammen aus den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts. „Nach dem Ersten Weltkrieg wurde der Handarbeitsunterricht in den Schulen geändert. Nach dem Krieg wurden dann vor allem Dinge gefertigt, die auch einen praktischen Wert hatten“, erklärt Baukloh und nennt als Beispiel Handarbeitstaschen und Nadelbücher.

Aufwendig und oft sehr farbenfroh sind die Mustertücher.

Hinter den – oft mit viel handwerklichem Geschick – gestickten Tüchern, verstecken sich Erinnerungen an längst verstorbene Vorfahren, aber auch kleine Geschichten, die noch heute anrühren. So berichtet Baukloh von einem Mädchen, das im Alter von neun Jahren verstarb und an das es außer dem Mustertuch keine Erinnerungsstücke gibt, nicht einmal Fotos.

Auf vielen der Tücher fehlt im gestickten Alphabet der Buchstabe J, auf anderen vor allem älteren Tüchern sind Symbole aufgestickt. So gibt es dort Schiffe, bei denen nie der Anker fehlen darf – als Symbol der Hoffnung, das Herz als Zeichen der Liebe, Treue und Freundschaft erklärt sich im Grunde von selbst. Doch wer weiß schon, dass der Hirsch Symbol für Christus ist und der Hahn nicht nur aus dem christlichen Glauben sondern auch aus der germanischen Mythologie stammt.

Baukloh: „Bemerkenswert ist auch, dass es die Tücher auf der ganzen Welt gibt. In die USA sind sie von den Auswanderern gebracht worden. Doch auch in der arabischen Welt gibt es solche Arbeiten.“ Praktisch für die Ausstellungsmacher ist, dass auf den meisten Tüchern Herstellungsdatum und der Name der Stickerin gleich mitgestickt wurden. Auf einem ist sogar vermerkt, dass es als „Erinnerung an meine Hochzeit“ gefertigt wurde.

Rund 160 Bierdeckel werden im Fritz-Linde-Museum am Sonntag gezeigt. Die meisten als kleine Gemälde. Doch einige wurden auch plastisch gestaltet.

„Uns hat gewundert, dass die jungen Damen meist nur auf die Vorderseite geachtet haben. Auf der Rückseite sind die Fäden oft nur sehr schlampig vernäht“, so Baukloh. Ganz anders bei der Bettwäsche, die eine Kiersperin zur Verfügung gestellt hat. Gleich aus vier Generationen stammen die mit Monogramm verzierten Kissenbezüge.

Ein paar Meter weiter hängen und liegen rund 160 Bierdeckel. Diese hatte die Kiersper Künstlerin Claudia Ackermann für eine Ausstellung vor zwei Jahren in Dortmund von anderen Künstlern und Laien gestalten lassen. Dabei griffen die Künstler jedoch nicht nur zu Stift und Pinsel sondern auch zu Kleber, Draht, Kronkorken und Nägeln, um die Deckel aus ihrer Zweidimensionalität zu holen.

Die Ausstellung ist am kommenden Sonntag von 11 bis 17 Uhr zu besichtigen. Die Nachbarn und Freunde des Fritz-Linde-Museums sowie die Frauen des Heimatvereins sorgen für Würstchen, Salat, Kaffee, Kuchen und kalte Getränke.

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