Pflegesituation in Kierspe: Die Sorge ums Personal

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Die Menschen werden aufgrund der gestiegenen Lebenserwartung immer älter. Damit steigt auch der Pflegebedarf. Die Anbieter von Pflegedienstleistungen – auch in Kierspe – stellt das vor Herausforderungen.

Kierspe - Die Zahl der pflegebedürftigen Menschen wächst rasant. Die Nachfrage nach professionell ausgebildeten Pflegekräften steigt immer weiter. Auch in Kierspe ist der Fachkräftemangel bei den Anbietern ambulanter und stationärer Pflege ein Thema.

Der Markt für Kräfte in der Pflege ist beinahe wie leergefegt. Das kann auch Yvonne Brune von Lilias Ambulantem Pflegedienst bestätigen. Qualifiziertes Personal zu finden stellt den Anbieter, der mit insgesamt 13 Mitarbeitern 43 Kunden betreut, vor Herausforderungen. „Der Altenpflege-Beruf war schon immer negativ besetzt. Und anders als in der Krankenpflege gibt es bei uns kaum Männer“, sagt Brune. „Bei Schwangerschaften fallen häufig Fachkräfte weg. Auch gibt es wegen des Mangels eine hohe Fluktuation in der Branche.“ Die Pflegedienstleisterin befürchtet, dass sich die Situation auch zukünftig nicht positiv entwickeln wird. „Wir als kleines Unternehmen können nicht mal eben ausbilden. Zudem brauchen wir die Hilfe meist schnellst möglich.“

Gut bestückt in Sachen Personal ist nach eigenen Angaben das Kiersper Pflegeteam. „Eine Fachkräftemangel haben wir zurzeit nicht. Durch Glück haben wir erst kürzlich eine neue Kraft hinzugewinnen können. Doch es ist nicht immer leicht, passende Leute für so ein kleines Team zu finden“, erklärt Britta Haas, die zusammen mit sechs Kollegen 67 Kunden betreut. Bedarf sieht sie vor allem bei examinierten Pflegekräften auf 450-Euro-Basis, die im Urlaubs- oder Krankheitsfall Lücken füllen könnten.

Qualifizierte Kräfte sollen an Arbeitgeber gebunden werden

„Gott sei Dank haben wir derzeit die Besetzung, die wir haben wollen“, erklärt Ralf Ullrich von Rat & Tat. Zwar habe man derzeit keine Personalsorgen im Pflegebereich, doch der Fachkräftemangel sei auch dort ein grundsätzliches Thema. Trotz der Zusammenarbeit mit dem Altenpflegeseminar Lüdenscheid sei die Situation schwierig. Zehn Mitarbeiter kümmern sich derzeit um rund 50 Kunden. „Wir wollen uns aber qualitativ vergrößern. Da ist es das Problem, an qualifizierte Kräfte zu kommen. Wenn wir sie dann haben, dann versuchen wir sie natürlich an uns zu binden.“

Eigene Fachkräfte auszubilden hält Ullrich im ambulanten Pflegebereich für schwierig, da das Vertrauensverhältnis zwischen Pflegekraft und Kunde durch „Fremde“ gestört werden könnte. Rat & Tat plane aber, unter anderem eine teilstationäre Pflege aufzubauen. „Dort wollen wir dann auf jeden Fall ausbilden.“

Ausbildung als wichtiger Faktor zur Nachwuchssicherung

Akute Probleme bei Pflegekräften sieht Geschäftsführer Sascha Saßen in der Seniorenresidenz momentan nicht. „Mittelfristig steht aber kein Nachwuchs zur Verfügung. Deshalb beschäftigen wir uns auf allen Ebenen mit dem Thema.“ So war die Einrichtung auch auf der Ausbildungsbörse „Oben an der Volme“ vertreten, um potenzielle Bewerber anzusprechen. Zu den 25 Vollzeitbeschäftigten in der Pflege, die sich um 79 Bewohner kümmern, kommen auch sechs Auszubildende. Doch den Bedarf an Mitarbeitern könne man durch den Nachwuchs nicht immer decken, erklärt Saßen.

Der Anteil der Fachkräfte im Awo-Seniorenzentrum beschreibt Einrichtungsleiter Stephan Borowski als „derzeit auskömmlich“. Doch grundsätzlich sei er auch in seinem Haus ein Thema. „Es gibt keinen Markt für examinierte oder auch nicht examinierte Kräfte. Deshalb erhalten wir auch kaum Bewerbungen.“ Als Mittel gegen einen zukünftigen Mangel hat das Haus „die Ausbildung als wichtigen Faktor erkannt. Grundsätzlich sollte man damit den Bedarf decken können. Doch nicht immer bleibt der Nachwuchs.“

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