Eine Praktikumsstelle mit Familienanschluss

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Adam Freeman (Zweiter von rechts) hat Aufnahme in Meinerzhagen bei Carmen Brandt (links), ihrem Lebensgefährten Malte Lackner und Tochter Mandy (rechts) gefunden. Darüber freut sich auch Angelika Witte vom Partnerschaftsverein.

Kierspe - Für sechs Monate hat Adam Freeman seine Ausbildung an einer englischen Universität gegen den „Lehrerberuf“ in Kierspe getauscht. Das zweite Schulhalbjahr verbringt der junge Mann aus der Nähe von Kierspes Partnerstadt Denton im Sauerland als Praktikant. Aufnahme hat er bei Familie Brandt in Meinerzhagen gefunden – wo er sich sichtlich wohlfühlt.

Die Partnerstadt Denton

Denton mit seinen 35 000 Einwohnern ist einer der zehn Stadtteile von Tameside um Groß-Manchester. Im Osten von Manchester gelegen bietet die Nähe zu den Pennine-Bergen den Menschen sowohl großstädtisches Leben als auch eine ansprechende Natur mit vielen Wander- und Reitmöglichkeiten. Nur wenige historische Gebäude fallen so ins Auge wie die 500 Jahre alte St.-Lawrence-Kirche im Tudor-Stil (Fachwerk). Französische Hugenotten brachten im 16. Jahrhundert die Hutindustrie nach Denton, was zu einem Aufblühen der Stadt führte. Mitte des 20. Jahrhunderts kam dieser Industriezweig zum Erliegen, einer Batterieproduktion war kein wirtschaftlicher Erfolg beschert. Politisch ist Denton seit 55 Jahren eine Labour-Stadt und stellt einen Labour-Abgeordneten im Londoner Parlament. Heute setzt die Stadt verstärkt auf Bildung und Ausbildung. Es gibt zehn Grundschulen und zwei weiterführende Schulen. Auffallend ist das hochmoderne College, das unter anderem über ein Theater und ein Tonstudio verfügt.

Von Johannes Becker

Wirtschaft und Deutsch studiert Adam Freeman an einer Universität im Nordwesten Englands, zwar nicht zwingend mit dem Ziel Lehrer zu werden, doch im Rahmen eines Pflichtpraktikums hat er sich für die pädagogische Arbeit entschieden. Jetzt musste nur noch ein Platz an einer deutschen Schule und eine Unterbringung für gut fünf Monate gefunden werden.

Über den Partnerschaftsverein in England war schnell der Kontakt nach Kierspe hergestellt – und die Zusage der Kiersper Gesamtschule erfolgte bereits beim ersten Gespräch mit der Schulleitung. „Wir sind aber auch sehr froh, dass wir so schnell eine Unterkunft gefunden haben“, erklärt Angelika Witte vom Partnerschaftsverein in Kierspe.

Zu Carmen Brandt hat der Verein seit einigen Jahren Kontakt, nachdem diese bereits mit ihrer Familie vor einigen Jahren französische Lehrer aufgenommen hatte, als diese im Rahmen eines Austauschs im Volmetal eine Unterkunft suchten. Und da der älteste Sohn gerade ausgezogen war, um zu studieren, bedurfte es im Grunde nur eines Telefongespräches, um die Unterkunft „klar zu machen“.

„Wir haben den Platz und es macht uns Spaß, Gastgeber auf Zeit zu sein“, so einfach klingt das bei Carmen Brandt. Und für den 19-jährigen Adam ist das wohl ein Glücksfall. Nicht nur, weil der begeisterte Sportler aus England mit Malte Lackner, dem Lebensgefährten von Carmen Brandt, bereits zum Bundesligaspiel nach Dortmund gefahren ist – „natürlich mit Currywurst und Pommes-Schranke“, wie es der aus Unna gebürtige Gastvater formuliert. Auch etliche Ausflüge in die Umgebung standen auf dem Programm der erweiterten Familie. Nach Köln inklusive Schifffahrt und in die Attahöhle soll es noch gehen. „Das macht einfach Spaß mit Adam. Der ist pflegeleicht und läuft einfach mit“, so Carmen Brandt.

Grundsätzlich will Adam nicht nur in der Schule, sondern auch in seiner Gastfamilie Deutsch sprechen – um die Sprache, die er bereits seit der Oberstufe lernt, noch besser zu beherrschen. Eine Ausnahme gibt es allerdings. Carmen Brandts Tochter Mandy geht ab Sommer für ein Jahr nach Kanada, da ist der 16-Jährigen der 19-jährige Muttersprachler natürlich eine große Hilfe, wobei sich die Schülerin erst einmal an den eigenwilligen Akzent des Gastbruders gewöhnen musste.

In der Gesamtschule ist der 19-Jährige natürlich besonders im Englisch-Unterricht gefragt, aber auch Mathe und Deutsch stehen auf seinem Stundenplan. „Wobei ich im Deutschunterricht meist nur dasitze und staune“, räumt der Brite offen ein. Für ihn ist die deutsche Schule nicht nur wegen seiner persönlichen Rolle auf der anderen Seite des Pults gewöhnungsbedürftig. „Die Schule ist so altmodisch“, formuliert er es wenig charmant und führt aus, dass es in den englischen Schulen schon längst keine Tafeln mehr gebe, sondern moderne digitale Systeme, auf die man zwar auch schreiben könne, aber die auch mit Inhalten aus dem Rechner gefüllt werden können. Und auch der Computerraum kommt dem Briten wie ein Relikt vergangener Zeiten vor.

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