Schülersprecher-Wahl an GSK als Lehrstück in Demokratie

+
Die Wahlurnen wurden von der Stadtverwaltung ausgeliehen. Die Wahl zum Schülersprecher wurde von der Schülervertretung vorbereitet. Die rund 1400 Schüler nahmen klassenweise an dem Urnengang teil.

Kierspe - „Demokratieerziehung funktioniert am besten durch Ausübung“, sagt Johannes Heintges, Schulleiter der Kiersper Gesamtschule. Ein Beispiel, an dem ersichtlich wird, wie demokratisches Verhalten eingeübt wird und wie Schüler sich am Schulalltag durch Wahlen beteiligen können, ist derzeit an der Schule zu beobachten.

Dort wird in diesen Tagen der neue Schülersprecher samt Stellvertreter und Beratern gewählt. „Das ist ja wie bei einer richtigen Wahl“, hatte ein Schüler der SV-Lehrerin Claudia Koch berichtet, als er am Montag die Wahlkabinen samt Urnen im PZ sah. Auch wenn die Schüler in diesem Jahr bereits zum vierten Mal ihren Schülersprecher direkt wählen können, die Wahlkabinen sind neu. Diese hat sich die Schule bei der Stadt ausgeliehen. In den vergangenen Jahren waren Abordnungen der SV noch durch die einzelnen Klassen gegangen, um dort wählen zu lassen.

In diesem Jahr fühlt sich der ganze Vorgang mit Wählerverzeichnissen (Klassenlisten) und Wahlhelfern aus dem SV-Umfeld sehr viel authentischer an. „Aber es gibt immer noch Dinge, die wir besser machen können. So führen wir die Klassen an den beiden Wahltagen geschlossen und unter Aufsicht ins PZ, dadurch hat kaum ein Schüler die Chance, sich der Wahl zu entziehen. Auch gibt es im Moment noch keine Möglichkeit an der Wahl teilzunehmen, wenn ein Schüler durch Krankheit verhindert ist. Daran arbeiten wir noch“, erklärt Heintges.

Doch trotz kleiner Schwächen ist die Gesamtschule mit diesem Vorgehen sehr viel weiter als noch vor wenigen Jahren. Früher wurde der Schülersprecher samt Stellvertreter vom Schülerrat gewählt, dem die gewählten Klassensprecher und ihre Stellvertreter angehören.

Vor der Wahl gab es Stimmzettel von den Wahlhelfern.

Am Dienstag stellen sich die Teams – bestehend aus dem Kandidaten, seinem Stellvertreter und einigen Beratern – auf Plakaten den Schülern vor. Dort formulieren sie auch die Ziele, die sie während ihrer einjährigen Amtszeit umsetzen möchten. „Meist sind die Ziele realistisch und oft auch umsetzbar, manchmal müssen die Schüler aber auch merken, dass nicht jedes Wahlversprechen zu einem positiven Ergebnis führt“, erklärt Koch.

Begleitet wird die Wahl durch einen entsprechenden Unterricht im Fach Gesellschaftslehre und einen Termin, an dem sich die Teams (in diesem Jahr sind es zwei) den Schülern vorstellen. Eine Stunde haben die Jahrgänge Zeit, sich mit Fragen an die Kandidaten zu wenden und diese besser kennenzulernen.

Doch auch außerhalb dieser Wahl sollen die Schüler lernen, wie Demokratie funktioniert. So sind Wahlen und deren Ausgang Thema im Unterricht und auch innerhalb der Schule wird mit verschiedenen Formen der Mitbestimmung und Einflussnahme „experimentiert“. So gibt es derzeit eine Testphase in der in einigen Klassen nicht Klassensprecher und Stellvertreter sondern ein sechsköpfiger Schülerrat (drei Schülerinnen und drei Schüler) gewählt werden, die dann die Interessen der Mitschüler vertreten, Streit schlichten und Konfliktgespräche mit Lehrern führen.

Engagement der Schüler wird nicht belohnt

Gerade der schnelle Zugang zu den verantwortlichen Lehrern ist eines der Privilegien, die die gewählten Vertreter „genießen“. Entlohnt wird das Engagement der jungen Schülervertreter nicht. Koch: „Die Schülersprecher lernen in dem Amt aber sehr schnell, Verantwortung zu tragen. Das hilft dann sicher auch außerhalb der Schule.“

Bei der Wahl, die am Dienstag endet, stehen Niklas Richau aus dem 11. Jahrgang und Justus Enstfeld aus dem 12. Jahrgang zur Wahl. Einer von ihnen wird Byram Akbal ablösen, der das Amt aufgrund seiner Abiturprüfungen im kommenden Jahr nicht mehr ausüben möchte. Das Ergebnis wird nach jetziger Planung am Donnerstagmorgen feststehen und dann den rund 1400 Schülern bekanntgegeben.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare