Dem Alter mit Humor begegnen

Halver - „Wenn’s nicht mehr so klappt mit dem Klatschen wegen der Arthrose: Ihr dürft euch auch auf den Boden schmeißen.“

Altersgeplagten Zuschauern, denen es beim Klatschen in den Gelenken zwickte und zwackte, gab Ulknudel Sissi Perlinger am Sonntagabend in der Aula des Anne-Frank-Gymnasiums die irrwitzigsten Jungbrunnen-Tipps an die Hand. Im Clinch mit dem Jugendwahn und seinen Auswüchsen, schlüpfte die Comedy-Queen mit den vielen Gesichtern und spektakulären Kostümen vor ausverkauftem Haus in die unterschiedlichsten Rollen, um dem Alter ein Schnippchen zu schlagen. Ihr Rezept gegen Falten, Depressionen und Gebrechen: lachen, lachen und nochmals lachen. „Alle Menschen, die über 100 Jahre alt geworden sind, haben eins gemeinsam: Humor!“

Folgerichtig entlockte sie dem Publikum in ihrem neuen Programm „Ich bleib dann mal jung“, in dem sie alle Trümpfe ihrer vielseitigen Gesangs-, Tanz- und Schauspielausbildung ausspielte, so viele Lacher, wie irgend möglich war. Derbe Kalauer und deftige Witze eingeschlossen.

Witze unter der Gürtellinie

„Ich geh auch unter die Gürtellinie“, warnte die schrille Entertainerin ihr Publikum vor, damit hinterher keiner rote Ohren bekam. Um es vorwegzunehmen: Sie hielt, was sie versprach. Sogar ihr „Opfer“ Uwe, der zu Beginn der Show abwartend mit verschränkten Armen in der ersten Reihe saß, lockte sie mit ihren brüllkomischen Ergüssen aus der Reserve. Als starker Mann zeigte Uwe am Ende vor starken Frauen keine Angst und folgte Perlinger willig auf die Bühne.

Mit Musik, Tanz, Gesang und bissig-humorvoller „Philosophie“, kurz allem, was eine One-Woman-Show hergibt, bespaßte Sissi Perlinger ihr Publikum. Die Lieder, in denen sie unter anderem selbstbewusst eine neue Zeit und ein besseres Altern versprach, stammten aus der eigenen Feder. Gitarre und Schlagzeug waren dabei ihre steten Begleiter. Beim kongenialen Rollenspiel mit fliegendem Kostümwechsel war die Schauspielerin Sissi Perlinger in ihrem Element. Von Null auf gleich – andere Haltung und anderer Dialekt – verwandelte sie sich in die in die Jahre gekommene Alt-68erin, die Kickboxen und Kiffen als Hobby betrieb. Oder in den investigativ-recherchierenden Undercover-Journalisten im Szenelokal, der in Mackerklamotten die Coolness auf die Spitze trieb.

Kaum zu toppen: das Bewohner-Casting für die Alten-WG und die schräge Professorin aus dem Altenstift Villa Kunterbunt, die mit knallig bunter Punker-Frisur für Drogen im Hospiz eine Lanze brach. Ihr Rezept: „Beißt nicht ins Gras, raucht es lieber!“

Großangriff auf den Jugendwahn

Frische, freche Choreographien begleiteten den pointengespickten Großangriff auf den Jugendwahn und alles, was damit verbunden war. Dass sich Perlinger dabei auch heftig-deftig mit Innenansichten der Gebärmutter von der Göttin Menstruation verabschiedete und den Wechseljahren huldigte, lag gleichsam auf der Hand. Logisch: Hätte sie mit ihren Schweißausbrüchen als Gallionsfigur auf der Titanic gestanden, wäre sogar der größte Eisberg geschmolzen.

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