Initiative „Crash Kurs NRW“ am AFG

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Polizeihauptkommissar Andreas Filthaut leitet das Crash-Kurs-Team, das im ganzen Märkischen Kreis Schulen besucht.

Halver - Fotos von zerstörten Autos und zerfetzten Motorrädern, deren Reste sich mit der Leitplanke verkantet haben, detailgenaue Schilderungen von Unfällen mit glimpflichem oder auch tödlichem Ausgang: Das Team der Initiative „Crash Kurs NRW“ mutete den 130 Oberstufenschülern des Anne-Frank-Gymnasiums am Dienstagvormittag einiges zu.

Genau das ist aber auch Zweck der Aktion. Denn unter dem Motto „Realität erfahren. Echt hart“ will die Polizei im Märkischen Kreis Jugendlichen ein Gefühl für die Gefahren im Straßenverkehr vermitteln.

Und dabei setzt die Initiative ausdrücklich auf Emotionen: „Wir werden Sie nicht ermahnen, keinen Alkohol zu trinken und am Steuer nicht zu telefonieren“, wandte sich der Crash-Kurs-Teamleiter, Polizeihauptkommissar Andreas Filthaut, an die AFG-Schüler. „Diese Regeln kennen Sie alle schon.“ Vielmehr gehe es darum, die jungen Leute wachzurütteln und ihnen ihre Verantwortung vor Augen zu führen.

Dass dieses Konzept offenbar aufgeht, zeigte die ernste Stille, die schon nach wenigen Minuten in der AFG-Aula herrschte. 41 junge Leute seien im vergangenen Jahr im Märkischen Kreis bei Verkehrsunfällen verletzt worden oder umgekommen, verwies Filthaut einleitend auf die Statistik.

Was eine solche Zahl konkret für Rettungskräfte und Angehörige bedeutet, davon berichtete unter anderem der 27-jährige Polizist Timo Freiberg aus Lüdenscheid. Um 3 Uhr nachts seien eine Kollegin und er einmal zu einem Verkehrsunfall ausgerückt, „Zwei Personen eingeklemmt“, lautete die Meldung. An der Unfallstelle fanden die Polizisten einen nicht ansprechbaren 18-jährigen Fahrer und seinen 16-jährigen Beifahrer vor, der vor Schmerzen schrie. „Diese Schreie bleiben lange in Erinnerung“, sagte Freiberg.

Auch Christian Koronika von der Plettenberger Berufsfeuerwehr war anzumerken, wie sehr manche Unfälle ihn auch nach Jahren noch beschäftigen. Mehr als eine Stunde lang habe er einmal gemeinsam mit einem Notarzt versucht, das Leben eines 20-jährigen Motorradfahrers zu retten, der einen Steilhang hinabgestürzt war und sich dabei schwer verletzt hatte. „Schließlich musste der Notarzt den Tod feststellen“, sagte Koronika, der während seines Berichts immer wieder innehielt, um sich zu sammeln.

Das Schlimmste sei die Begegnung mit den Eltern des verunglückten jungen Mannes gewesen, schloss der Feuerwehrmann: „Ich hoffe, dass eure Eltern und Freunde nie diese Erfahrung machen müssen.“

Welche Erfolge die Crash-Kurs-Aktion mit ihrem hohen personellen Einsatz tatsächlich habe, sei kaum messbar, sagte Andreas Filthaut im Anschluss. „Aber wenn wir nur einen oder zwei Unfälle verhindern können, dann hat es sich schon gelohnt.“

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