Nachdenkliches über Döner und Bockwurst

Mit der Komödie „Stefanie integriert die Öztürks“ landete die Laienspielgruppe „Halber Apfel“ um Regisseur, Autor und Schauspieler Murat Isboga (vorne mit Album) einen Volltreffer zu einem ernsten Thema. ▪
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Mit der Komödie „Stefanie integriert die Öztürks“ landete die Laienspielgruppe „Halber Apfel“ um Regisseur, Autor und Schauspieler Murat Isboga (vorne mit Album) einen Volltreffer zu einem ernsten Thema. ▪

HALVER ▪ Das Deutschlandlied auf der Saz (Laute), der türkische Halbmond im Großformat und ein orientalisches Wohnzimmer mit viel Teppich und Glotze: Die dritte Generation der vor 50 Jahren als „befristete Gastarbeiter“ ins Land geholten Türken tritt an, in doppelter Hinsicht aus einer halben Sache eine ganze zu machen. Am Samstagabend die Theatergruppe „Halber Apfel“ in der Aula der Realschule mit dem Stück „Stefanie integriert die Öztürks“.

Die Freundschaft zwischen Stefanie (Lena Kemper) und der Tochter von Ali Öztürk (Hatice Sünun) sowie das Fußballspiel Deutschland-Türkei sind der Anfang der Geschichte, die zeigt, wie wirkliche Integration gehen kann. Ali (Murat Isboga) und Sohn Hakan (Bünyiamin Özcan) sehen sich das Fußballspiel an, als Stefanie zu Besuch kommt. Wer gewinnt, ist die Frage, und jeder glaubt an seine Mannschaft. Stefanie und Ali gehen eine Wette ein. Wer unterliegt, muss die Sprache und Kultur des anderen lernen. Nach dem 3:2-Sieg der Deutschen zieht Stefanie für eine Woche bei den Öztürks ein. Es darf nur deutsch gesprochen werden, und am Ende besteht Vater Ali bravourös den Deutsch- und Goethe-Test.

Mit wahren Begebenheiten und Fiktivem wurden Deutsche wie Türken gleichermaßen auf die Schippe genommen. Dass seine Ehefrau (Meriyam Isboga) mit deutschem Pass sehr gut deutsch spricht, erfährt Vater Ali erst in dieser Woche, dass sie von Familienplanung spricht und wie eine Deutsche geht, hat er selbst bemerkt – gelernt hat sie es in einem Integrationskurs.

Gewürzt ist das Ganze mit allen denkbaren Klischees, beidseitigen Vorurteilen, gemeinsamen Problemen, mit Döner und Bockwurst eben, und mit sehr viel Humor. Als Komödie wird ein ernstes Thema angegangen, das in der voll besetzten Realschulaula überwiegend türkischen Besuchern präsentiert wurde. Gerade sie wurden am Ende des Stückes sehr still, als das farbenfrohe und fröhliche Szenario mit einem schwarz-weißen Rückblick auf den Einzug der „Gastarbeiter“ ausklang. „Weißt du, Stefanie, meine beste deutsche Arkadas, (Freund/Freundin) die Türken sind damals mit wenig Gepäck, viel Hoffnung und viel Freude nach Deutschland gekommen, sind länger geblieben als gedacht. Deutschland ist auch mein Land, aber ich liebe ebenso meine Heimat. Ich bin Ausländer geworden, hier und in der Türkei“, machte der Ausklang sehr nachdenklich.

Integrationsunwilligkeit und geringerere Intelligenz – wie ein umstrittener deutscher Autor muslimischen Zuwanderern pauschal unterstellt – sind (nicht nur) dem Autor, Schauspieler und Regisseur Murat Isboga ganz und gar nicht zu bescheinigen. Als Student der Literatur, Kultur und Medienwissenschaft in der Zielgeraden – nebenbei hat er beim WDR ein Praktikum gemacht, für regionale deutsche und überregionale türkische Zeitungen gearbeitet –, ist er seit Jahren um eben jene Integration bemüht. „Das große Problem von Deutschen und Türken ist, dass sie sich nicht richtig kennen, zu wenig im Dialog miteinander stehen“, nennt er das, wogegen er mit seinen Theaterstücken anspielt. Mit dem in Halver Gezeigten ist die Laienspiel-Gruppe in diesem Jahr bundesweit unterwegs. Neben den genannten Mimen aus Lüdenscheid, Werdohl, Hamm und Plettenberg waren noch Yesim Arslan als zu verheiratende Tochter Fatma sowie Sadik Özyener und Ismail Kaygisiz als Vater und Sohn, die um die Hand von Fatma anhielten, im Spiel.

Zum typisch türkischen Rahmenprogramm gehörten neben einem kulinarischen Angebot auch diverse Ehrungen und der Dank an die Stadt Halver, die in Sachen Integration vorbildlich genannt wurde. ▪ Yvonne Pfannschmidt

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