Nach Ladendiebstahl: Angeklagter verurteilt sich selbst

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Symbolfoto

Halver - In dem Glauben, unbeobachtet zu sein, ließ ein Mann in einem Halveraner Supermarkt Steak und Lachsforelle unter seiner Kleidung verschwinden. Gesamtwert: 78,67 Euro. Ein Detektiv wurde jedoch auf den 47-Jährigen aufmerksam und erstattete Anzeige wegen Ladendiebstahls. Am Dienstag trafen die Beteiligten im Amtsgericht Lüdenscheid erneut aufeinander.

Während der Angeklagte schwieg, berichtete der Zeuge, was er am Tattag, 15. September vergangenen Jahres, beobachtet hatte. Der Angeklagte sei mit einer Frau und einem Einkaufswagen durch die Gänge gelaufen. In der Kühlabteilung habe er dann Steaks und Fisch unter seiner Kleidung versteckt. Kurz darauf habe er den Angeklagten an der Kasse gesehen.

„Er hat drei Teile auf das Band gelegt. Ich stand etwas weiter hinter ihm“, sagte der Detektiv aus. Als der Angeklagte ihn gesehen habe, sei er zurück in den Laden gegangen. Bei den Körben mit den Non-Food-Produkten sei er stehen geblieben, habe die Forelle unter der Jacke hervorgezogen und sie abgelegt. Danach sei der 48-Jährige wieder zur Kasse gegangen. Dort habe der Detektiv ihn angesprochen und ins Büro geführt. „Er hat den Diebstahl zugegeben“, erklärte der Zeuge. Später habe der Detektiv auch die Steaks gefunden.

Zweimal hatte der Angeklagte in der Vergangenheit bereits wegen Diebstahls vor einem Richter gestanden. Aber während die Vertreterin der Staatsanwaltschaft den Angeklagten des Diebstahls überführt sah und eine Geldstrafe von 1200 Euro forderte, setzte sich der Verteidiger in einem langen Plädoyer für einen Freispruch seines Mandanten ein. Ausführlich führte er einen Vergleichsfall an. Für ihn handelte es sich bei dem Vorgang nicht um einen Diebstahl. Sein Mandant habe die Sachen zurückgelegt. Dass er das getan hatte, weil er sich durch den Zeugen ertappt fühlte, sei nicht klar. Schließlich habe der ja nicht das Wort Detektiv auf der Stirn stehen. Er selbst habe schon öfter beobachtet, wie Leute erst Sachen einpacken und sie dann kurz vor dem Bezahlen einfach irgendwo ablegen, erklärte der Verteidiger. Und so könnte sein Mandant nur freigesprochen werden.

Besagter Mandant hatte bis dato keinen Mucks von sich gegeben. Im entscheidenden Moment, nachdem sich sein Verteidiger für ihn stark gemacht hatte, entschied er sich dazu, doch etwas zu sagen: „Es ist so passiert, wie es passiert ist. Ich entschuldige mich dafür.“ Worte, die den Anwalt schlucken ließen. Im Gegensatz zum Verteidiger fasste sich der Richter recht kurz. Das Einstecken der Ware in die Jacke sei ein Diebstahl – 1425 Euro Geldstrafe.

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