Gerichtsprozess: Wer fuhr nach Halver?

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Halver - Um Kopf und Kragen und um ein kleines Vermögen brachte sich ein 26-Jähriger aus Halver. Wegen uneidlicher Falschaussage wurde er im Amtsgericht Lüdenscheid zu einer Geldstrafe von 4500 Euro verurteilt.

Die Geschichte dahinter begann mit einem Tanz in den Mai im „Nachtpalast Rush Hour“ in Dortmund. Eine heute 24-jährige Besucherin, die damals in Kierspe wohnte, nahm am frühen Morgen vier Personen aus Dortmund mit zurück in den Märkischen Kreis. Zwei stiegen in Schalksmühle aus. Mit zwei männlichen Mitfahrern kam sie bis zur letzten T-Kreuzung vor dem Aufstieg nach Halver. Nebel erschwerte die Sicht. „Ich hätte noch langsamer fahren sollen“, sagte die Zeugin und erinnerte sich daran, wie sie in Bäume und Gestrüpp raste. Ihre beiden Mitfahrer (24 und 26) waren „schlagartig“ wieder wach und halfen dabei, das beschädigte Auto wieder auf die Straße zu hieven. Sie habe geweint und sei ausgerastet, erinnerte sich die 24-Jährige. Soweit waren die Fakten unstrittig.

Das Strafrecht kam erst bei der Frage ins Spiel, wer das gerade noch fahrfähige Auto auf den letzten Kilometern bis Halver gesteuert hatte. Sie selbst habe nicht mehr fahren können, gab die 24-Jährige an. Deshalb habe sie das Steuer einem ihrer Mitfahrer (24) übergeben, von dem sie nicht wusste, dass der keine Fahrerlaubnis hatte.

Folgenreiche Nackenschmerzen

Dass die Polizei ins Spiel kam, lag an ihren Mitfahrern: Die meldeten sich am nächsten Tag auf der Wache, weil einer von ihnen Nackenschmerzen hatte. Eine schlechte Idee: Die Beamten interessierten sich nämlich dafür, wer das Auto nach dem Unfall nach Halver gesteuert hatte und sahen Anlass für eine Strafanzeige. Im daraus resultierenden Strafverfahren wurde der 24-Jährige am 23. Oktober 2015 wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis zu einer Geldstrafe von 2000 Euro verurteilt.

Die 24-Jährige hatte vor Gericht bestätigt, dass der Angeklagte in jener Nacht die letzten Kilometer gefahren war. Nicht so der 26-jährige Mitfahrer: Er behauptete, nicht der Angeklagte, sondern die junge Frau sei nach dem Unfall weitergefahren. Das glaubte ihm aber niemand. Zur Überzeugung der Staatsanwältin und der Richterin war diese Aussage gelogen, was nun wiederum dem 26-jährigen Zeugen jene Strafanzeige einbrachte, über die jetzt verhandelt wurde. Nun ging es um eine Falschaussage im Verfahren am 23. Oktober.

24-Jährige verdächtigt

Wieder bestätigte die Zeugin, belehrt über ihre Wahrheitspflicht, dass nicht sie, sondern ihr 24-jähriger Mitfahrer am Steuer gesessen habe. Und obwohl dieser sein Urteil wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis akzeptiert und die Geldstrafe von 2000 Euro bezahlt hatte, bestritt er erneut, an jenem Morgen gefahren zu sein. Die junge Frau sei gefahren, behauptete er – möglicherweise, um den Angeklagten des jetzigen Verfahrens vom Vorwurf einer Falschaussage zu entlasten. Denn auch der 26-Jährige hatte dies am 23. Oktober behauptet.

Da Richter Thomas Kabus und die Staatsanwaltschaft die überraschende Behauptung des 24-Jährigen, nicht gefahren zu sein, für gelogen hielten, droht nun wiederum ihm, der bereits zu einer Geldstrafe von 2000 Euro verurteilt worden war, ein Strafverfahren wegen uneidlicher Falschaussage.

Keine Zweifel an Glaubwürdigkeit

Da weder Staatsanwaltschaft noch Richter Thomas Kabus an der Glaubwürdigkeit der jungen Frau zweifelten, wurde nun zunächst ihr 26-jähriger Mitfahrer wegen einer Falschaussage in der Verhandlung am 23. Oktober zu einer Geldstrafe von 4500 Euro verurteilt. Und beim nächsten Strafverfahren gegen seinen zu 2000 Euro Geldbuße verurteilten Mitfahrer (24) wegen der mutmaßlichen Falschaussage wird der 26-Jährige erneut befragt werden, wer am Steuer des Autos gesessen hat. Fast alles spricht dafür, dass die junge Frau es nicht war.

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