Kriminalhauptkommissar warnt vor ungebetenen Gästen an der Haustür

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Kriminalhauptkommissar Frank Enser.

Halver - Sie kommen fast immer unangemeldet, sind jung, charmant und höflich: Die Rede ist von Trickdieben, die leichtgläubige, ältere Bürger vor deren Haustüre überraschen, ihre Opfer unter einem Vorwand in die Wohnung schicken, während ein Komplize unbemerkt hinterher schleicht und die Räume nach Wertvollem durchsucht.

Geschieht dies, hat der gutgläubige Bürger schon verloren: Geld, Schmuck oder andere Wertgegenstände. Kriminalhauptkommissar Frank Enser von der Polizei im Märkischen Kreis versucht, genau dies zu verhindern.

100 bis 150 Mal pro Jahr, so schätzt er, berät er Frauen und Männer im Alter über 60 Jahren zu Diebstählen und Betrügereien aller Art: In der Innenstadt beim Einkaufsbummel, vor der Haustür, wenn ungebetene Gäste plötzlich auftauchen oder jemand übers Telefon versucht, an Geld zu gelangen.

Die Täter handeln mit Kalkül

„Deutschlandweit sind nur fünf Prozent der Opfer unter 60 Jahre alt, 50 Prozent hingegen schon älter als 80 Jahre“, sagt Enser. Die Chance, Senioren alleine in deren Wohnung anzutreffen, steige mit dem Lebensalter. Je älter ein Mensch, desto höher sei die Chance, dass beispielsweise ein Ehepartner schon verstorben ist – die Täter handeln mit viel Kalkül.

„Sie wollen natürlich vermeiden, aufzufallen. Und wenn die geschädigte Person alleine wohnt, sinkt das Risiko, entdeckt zu werden, erheblich.“ Die Frage nach Stift und Zettel, um dem Nachbarn eine Nachricht zu hinterlassen, als Stadtwerkemitarbeiter getarnt die Bitte, nach dem Strom- oder Wasserzähler sehen zu dürfen oder ein vermeintliches Verkaufsgespräch: „Trickdiebe sind kreativ während sie den Menschen an der Türe das Blaue vom Himmel lügen“, sagt der Kommissar.

In Nordrhein-Westfalen sei im Jahr 2014 bei sogenannten „Gemeldeten Straftaten zum Nachteil älterer Menschen ab 60 Jahren“ ein finanzieller Schaden von 8,6 Millionen Euro entstanden. Von 5179 Gesamttaten seien 2331 vollendet worden – nur 266 Fälle wurden tatsächlich aufgeklärt. 2015 waren es 7174 Taten, davon 2400 vollendete; der Schaden betrug rund 9,2 Millionen Euro.

Das rät der Experte

„Man sollte selbstbewusst und misstrauisch bleiben. Als Mieter oder Hausbewohner habe ich das Recht, ganz alleine zu entscheiden, wann ich wen in meine eigenen vier Wände lasse. Es hat keinerlei negative Konsequenzen, wenn ich jemanden wieder wegschicke oder nicht hereinlasse“, sagt Enser.

Er rät zudem, sich günstige Möbeltresore oder Geldkassetten, die man an Möbel schrauben kann, anzuschaffen. „Denn Trickdiebe haben wenig Zeit und erst recht kein Werkzeug dabei, um geräuschvoll Schlösser zu knacken.“

Ein Türspion, ein Kastenzusatzschloss oder eine Kette, die das komplette Öffnen der Tür verhindert, bieten laut Enser ebenfalls effektiven Schutz.

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