Körperverletzung: Wochenendarrest für 21-jährige Halveranerin

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Symbolbild

Halver - Auch Frauen haben es nicht leicht. Das zeigte sich im Strafverfahren gegen eine 21-Jährige aus Halver, die sich wegen zweifacher gefährlicher Körperverletzung im Amtsgericht Lüdenscheid verantworten musste.

Laut Anklage hatte sie am 13. September in Kierspe auf dem Kopf einer ebenfalls 21-Jährigen eine Wodkaflasche zertrümmert, was eine stark blutende Platzwunde zur Folge hatte. Am 24. Oktober war es dann eine Bierflasche, die sie in Halver ebenfalls auf den Kopf einer weiteren Zeugin gedonnert haben sollte.

Diesen Vorfall räumte die Angeklagte ein. Sie behauptete aber, dass ihre Widersacherin zuvor sehr nachdrücklich 50 Euro gefordert habe, die ihr Ex-Freund der Zeugin angeblich geschuldet habe:

„Sie hat mich gegen die Wand gedrückt.“ Den anderen Schlag stritt die Angeklagte ganz ab: „Mit einer Wodkaflasche war überhaupt nichts.“ Das schilderte die Geschädigte ganz anders. „Ich halte eigentlich relativ wenig von Gewalt“, bekundete sie.

Eigentlich habe sie an jenem Tag mit der Angeklagten feiern wollen – dazu habe man sich verabredet. Doch zwei Männer, die der kleinen Feier ebenfalls beiwohnten, hätten die Angeklagte mehr interessiert. „Ich habe ihr gesagt, dass ich es scheiße finde, wenn sie mich ständig wegen irgendwelcher Typen sitzenlässt“, gab eine weitere Zeugin ihre Beschwerde wieder.

Über diese Fragen soll es jedenfalls zum Streit zwischen den beiden Freundinnen gekommen sein, der von der genossenen Alkoholmenge nicht unwesentlich angeheizt wurde. Ein Wort gab wohl das Andere, dann scheint eine „Klatsche“ gefolgt zu sein und wahrscheinlich der Schlag mit der Wodkaflasche, die dabei kaputtging.

Leider versäumten die herbeigerufenen Polizeibeamten, dieses gefährliche Werkzeug oder was davon übriggeblieben war, sicherzustellen oder wenigstens zu fotografieren. Irgendjemand musste schon sehr gründlich saubergemacht haben.

Die Angeklagte wies die gesamte Darstellung der Geschädigten zurück: „Alles, was sie hier gesagt hat, war ganz schön gelogen.“ Rechtsanwalt Trimpop legte nach: Die zur Zertrümmerung einer Wodkaflasche aufzubringende Gewalt hätte weit schlimmere Folgen haben müssen, argumentierte er. Die Tat sei nicht nachgewiesen.

Davon zeigten sich Oberamtsanwalt Lehmann und Richter Jürgen Leichter jedoch nicht überzeugt. Der Vertreter der Anklage beantragte, zwei Wochenendarreste gegen die Angeklagte zu verhängen. Reifeverzögerungen seien nicht auszuschließen – deshalb sei Jugendrecht anzuwenden.

Dem folgte der Richter. Er reduzierte die Strafe aber auf einen Wochenendarrest. Die wenig einsichtige Angeklagte zeigte sich nicht geneigt, eine solche Buße zu akzeptieren. Sie schien nur sehr ungern von der Überzeugung abzurücken, dass eigentlich immer eher die Anderen schuld sind.

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