Ein Hauch von Weihnachten

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Halver - Eine klingende Glaubenslehre ist Georg Friedrich Händels Oratorium „Messiah“. Unterstützt vom Consortium Musica Sacra Köln und vier hervorragenden Gesangssolisten stemmten die Kantorei Halver und ihre Leiterin Maike Lehmkuhl am Sonntag diese große Herausforderung in der Christus König Kirche.

Ihren lang anhaltenden Applaus brachten die Besucher in der gut gefüllten Kirche im Stehen dar.

Anders als Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium, das die Geschichte von der Ankunft des christlichen Erlösers in den Mittelpunkt stellt, ist Händels „Messiah“ vor allem eine Zusammenstellung wichtiger Glaubenssätze. Der alttestamentliche Prophet Jesaja und Maleachi kündigen die Rettung des Gottesvolkes durch einen Erlöser an, als den die christliche Überlieferung Jesus Christus deutete.

Heiter kündigte Tenor Wolfgang Klose die umfassende Befreiung an: „Jedes Tal soll erhöht werden“. Fröhlich sang der Chor das beschwingte „Denn es ist uns ein Kind geboren“. Dessen Ankunft, die auch bei Händel der Evangelist Lukas verkündete, ließ im Spätsommer einen Hauch von Weihnachten durch die Kirche wehen. „Fürchtet euch nicht, denn sehet, ich bringe euch frohe Botschaft von großer Freude, die allem Volk widerfahren wird: denn euch ist heute in Davids Stadt der Heiland geboren“, sang Sopranistin Steffanie Patzke in der Rolle des Engels – ebenfalls auf Englisch, denn die Kantorei hatte sich für die geringfügig gekürzte Originalfassung des Oratoriums entschieden.

Abwechslungsreich gestaltete Händel den Wechsel von Arien und Chorstücken, von biblischer Erzählung, Lobgesang und Gotteslehre. Überraschend kommen die alttestamentlichen Propheten auch dann noch zu Wort, wenn es um Christi Wirken und Wunder, sein Leiden und seine Himmelfahrt geht. Allein der Evangelist Matthäus darf den Text für das kurze Chorstück „Sein Joch ist sanft“ und für das bemerkenswerte Duett „Kommt her zu ihm alle, die ihr leidet und schwer beladen seid“ liefern. Die klare Sopranstimme von Steffanie Patzke (Sopran) und der warme Alt von Beate Koepp hatten hier einen beeindruckenden gemeinsamen Auftritt. Nicht weniger gut ausgewählt waren Tenor Wolfgang Klose und Harald Martini, der seine warme und sonore Bassstimme nicht zum ersten Mal in der Christus-König-Kirche erklingen ließ.

Römerbrief und die Geheime Offenbarung liefern die Texte für das großartige Finale des „Messiah“, das von dem vertrauten „Hallelujah“ des Chores eingeleitet wird. Anschließend sang Steffanie Patzke auf bewegende Weise die wohl bekannteste Arie des „Messiah“: Ich weiß, dass mein Erlöser lebet“. Wunderschön erscholl die letzte Posaune im Jüngsten Gericht – in diesem Fall eine Barocktrompete, die weniger das Bedrohliche als vielmehr Auferstehung und Unsterblichkeit verkündete. Für den langen Applaus bedankte sich der Chor mit einem erneuten „Halleluja“ – das letzte Chorstück „Würdig ist das Lamm“ ist zwar schön, aber nicht ganz so fulminant wie Händels größter „Hit“.

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