Input für die Flüchtlingshilfe: "Willkommenskultur schaffen"

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Beim monatlichen Helfertreffen der Flüchtlingshilfe Halver im Bürgerzentrum „Am Park“ stand diesmal die berufliche Qualifizierung von Flüchtlingen im Mittelpunkt.

Halver - Beim  monatlichen Treffen der Flüchtlingshilfe Halver informierte Willkommenslotsin Ilham Bouchareb vor allem über Ausbildungsmöglichkeiten und Berufsperspektiven von Flüchtlingen.

Mit ihrer Arbeit als Willkommenslotsin für Ehrenamtliche in der Flüchtlingsarbeit und dem „Welcome!“-Qualifizierungsprojekt für Flüchtlinge der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer zu Hagen (SIHK), machte die Diplom-Wirtschaftsinformatikerin Ilham Bouchareb die Ehrenamtlichen der Flüchtlingshilfe Halver am Mittwoch beim monatlichen Helfertreffen im Bürgerzentrum „Am Park“ bekannt.

Den Kontakt zu der Hagenerin mit marokkanischen Wurzeln hatte Heidi Diebschlag hergestellt. Diese hatte aus der Zeitung erfahren, dass die SIHK Praktikumsplätze für Flüchtlinge vermittelt und war neugierig geworden.

Diplom-Wirtschaftsinformatikerin Ilham Bouchareb.

Als Zuhörerin nahm Barbara Naguib, die in Halver die Notunterkunft an der Susannenhöhe leitete und seit geraumer Zeit bei den Maltesern in Essen tätig ist, am Treffen teil.

Eine der Aufgaben als Willkommenslotsin sei es, in Unternehmen eine offene Willkommenskultur zu schaffen. Gemeint sei damit eine größere Bereitschaft seitens der Unternehmen, Flüchtlinge auszubilden und zu beschäftigen.

"Die Erwartungen sind zu hoch"

Auf der anderen Seite gehe es jedoch zugleich darum, Flüchtlingen das deutsche Ausbildungssystem zu erklären und ihnen klar zu machen, dass sie mit einer Ausbildung etwas erreichen können. „Die Erwartungen sind zu hoch. Alle wollen studieren“, berichtete die Wirtschaftsinformatikerin von ihren Erfahrungen.

Eine Ausbildung werde häufig als abwertend angesehen. Hier gelte es, die Bewerber zum Umdenken zu bewegen und ihnen die Vorzüge nahezubringen. Überdies sei im Anschluss immer noch ein Studium möglich – mit dann deutlich besseren Sprachkenntnissen. Auf vielfältige Studienmöglichkeiten (Fernstudium, duales Studium und mehr) wies sie hin.

Projekte und Kurse, die qualifizieren

Ausführlich ging Ilham Bouchareb auf Qualifizierungsprojekte für jugendliche Flüchtlinge in den SIHK-Bildungsstätten ein. Projektziel sei die Kompetenzfeststellung der Projektteilnehmer und die Vermittlung in ein dreimonatiges Betriebspraktikum, eine Einstiegsqualifizierung oder ein Ausbildungsverhältnis. Qualifizierungsbausteine seien ein vierwöchiger berufsorientierter Deutschkurs und ein zweiwöchiger berufspraktischer Lehrgang im Metall- und Elektrobereich.

Tätigkeiten, die in einem Industriebetrieb wichtig sind – Fräsen, Drehen und Schweißen – würden die Teilnehmer dabei kennenlernen. Angesprochen seien Jugendliche zwischen 18 und 25 Jahren mit Bleibeperspektive. 15 bis 20 Teilnehmer könnten an einem solchen Lehrgang teilnehmen. „Es sollen noch Projekte starten“, erklärte die Referentin.

Hagen, Lüdenscheid und eventuell Gevelsberg gab sie als Orte an. Intensive Beratung sei wichtig. „Die meisten wollen schwimmen, ohne dass sie schwimmen können.“

Im Bereich der interkulturellen Kompetenz erkannte die Willkommenslotsin noch großen Bedarf. „Es wird auf die Flüchtlinge selber ankommen. Sprache ist das A und O.“

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