Strafverfahren im Gülle-Skandal an der Neye-Talsperre

+
Düngung in der Landwirtschaft

Halver - Das Verfahren um die Gülle-Katastrophe an der Neye-Talsperre beim Landgericht Hagen geht in eine neue Runde. Nun muss sich der Halveraner Landwirt Tobias Feckinghaus vor der 3. Großen Strafkammer des Landgerichts Hagen auch strafrechtlich verantworten.

Von seinem Hof war eine große Menge Gülle in den Neye-Bach und die Neye-Talsperre geflossen. Die Staatsanwaltschaft Hagen hat den 40-Jährigen wegen eines besonders schweren Falls der Gewässerverunreinigung und zweifacher falscher Verdächtigung angeklagt, wie das Landgericht Hagen nun mitteilt. Im Falle einer Verurteilung droht dem Angeschuldigten eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren. Diesen Strafrahmen sieht das Strafgesetzbuch für den Fall der Gewässerverunreinigung in einem besonders schweren Fall vor.

Die Hagener Strafkammer wird in einem Zwischenverfahren über die Zulassung der Anklageschrift zur Hauptverhandlung entscheiden. Ein etwaiger Prozessauftakt ist frühestens im Frühjahr 2017 zu erwarten.

Mehr zu dem Thema

Auch im Zivilverfahren um den Gülle-Skandal gibt es Neuigkeiten. Tobias Feckinghaus hat Berufung gegen das Grundurteil des Landgerichtes Hagen eingelegt. Die Richter hatten darin entschieden, dass Feckinghaus dem Grunde nach verpflichtet sei, für die Schadenersatz-Ansprüche des Wupperverbandes und der zu den Stadtwerken Remscheid gehörenden EWR GmbH aufzukommen. Das Oberlandesgericht Hamm bestätigte den Eingang der Berufung. „Es gibt noch keine Entscheidung darüber, ob die Berufung zulässig ist“, sagte Pressesprecher Christian Nubbemeyer auf Anfrage. Ebenso werde noch geprüft, ob die Berufung rechtzeitig eingegangen ist. Stichtag dafür ist jeweils vier Wochen nach Zustellung des Urteils. Auch sei noch keine Berufungsbegründung eingegangen, dafür würden noch Fristen laufen.

Zum Hintergrund: Am 18. März 2015 waren etwa 1,7 Millionen Liter Gülle in den Neye-Bach in Halver-Kotten und die Neye-Talsperre in Wipperfürth gelangt. Die Gülle stammt aus einem Güllebehälter von Tobias Feckinghaus und ist wohl über eine offene Leitung am Behälter ausgelaufen. Nahezu das komplette tierische und pflanzliche Leben im Neyebach sowie in den dort gelegenen Fischteichen starb dadurch ab, unter anderem auf Grund stark erhöhter Ammonium-Stickstoffwerte. In der Neye-Talsperre kam es zur biologischen Verödung.

Die Staatsanwaltschaft Hagen wirft dem Angeschuldigten vor, gegen 1 Uhr auf dem Gelände seines Bauernhofes einen Schlauch abgekoppelt zu haben, der von einem Güllesilo zu einem Pufferbehälter führte. Diesen soll er hangabwärts gelegt haben und dann einen den Schlauch verschließenden Schieber geöffnet haben, um die in dem Silo befindliche Gülle abzulassen. In der Folgezeit soll der Angeschuldigte zwei verschiedene Personen gegenüber der Polizei beschuldigt haben, die Tat begangen zu haben. Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft Hagen ist hingegen der Angeschuldigte tatverdächtig, so das Ergebnis der Ermittlungen.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare