Grundschulen fordern mehr Personal

+

Halver - Viele Grundschulen in Nordrhein-Westfalen beklagen Personalmangel und zu große Klassen, wie eine aktuelle Umfrage zeigt. Die Leiter der Halveraner Grundschulen teilen die Sorgen nur zum Teil, sehen aber Nachbesserungsbedarf.

Die Leiterin der Grundschule Auf dem Dorfe, Petra Schreiber, sieht ihre Schule gut ausgestattet: Bei 272 Schülern beschäftigt sie derzeit 15 Vollzeit-Lehrkräfte, zusätzlich einen Türkischlehrer als Teilzeitkraft. Die Klassengrößen bewegen sich zwischen 22 und 28 Schülern.

„Es ist ein Wunschdenken, nicht mehr als 24 Schüler in einer Lerngruppe zu haben“, erklärt die Pädagogin. 27 Jungen und Mädchen besuchen derzeit die erste Klasse der Schule Auf dem Dorfe – das sei schon „heftig“, gibt Petra Schreiber zu. Es gebe Gruppen, die von der Zusammensetzung her schwierig sind. „Grundsätzlich ist es aber möglich, die Schüler individuell zu fördern.“

Paten auf freiwilliger Basis

Rund zehn Flüchtlingskinder besuchen derzeit die Grundschule, sie werden in Regelklassen unterrichtet. So hätten sie bessere Chancen, soziale Kontakte zu knüpfen, erläutert die Schulleiterin. Grundsätzlich funktioniere das gut. Es sei aber geplant, für die Integration dieser Kinder eine zusätzliche Stelle zu beantragen.

Im Rahmen der Inklusion sollen auch Kinder mit und ohne Behinderungen gemeinsam in Regelklassen unterrichtet werden. Dafür beschäftigt die Grundschule Auf dem Dorfe eine Sonderpädagogin. Die rechtlichen Vorgaben seien damit erfüllt – Probleme gebe es nur, wenn die einzige Sonderpädagogin krank sei.

„Generell kommt es vor allem dann zu Problemen, wenn Lehrkräfte nicht im Haus sind“, sagt Schulleiterin Petra Schreiber. „Ansonsten kommen wir gut klar.“ Immer mehr Kinder hätten allerdings den Bedarf nach einer zusätzlichen, erwachsenen Bezugsperson. Dort könnten Paten auf freiwilliger Basis Abhilfe schaffen.

Kurse für Kinder von Migranten

Der Schulleiter der Grundschule Oberbrügge, Bernhard Ritschel, zeigt sich überrascht von den Ergebnissen der Umfrage. Das einzige Problem in der Hinsicht bestehe an seiner Schule im Bereich der Inklusion: Für die 91 Schüler steht eine Sonderpädagogin zur Verfügung – für sechs Stunden wöchentlich. „Eine sehr kompetente Frau“, betont der Schulleiter, „aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein.“

Das Stundenkontingent der Oberbrügger Grundschule sieht keine Fachkraft für Sonderpädagogik vor. Deshalb wird ein Teil des Kontingents für Grundschulpädagogen der Sonderpädagogik zugeschlagen. Neun Lehrkräfte unterrichten an der Schule, die meisten in Teilzeit.

Rund zwei Drittel der Schüler, die die Grundschule Oberbrügge besuchen, haben einen Migrationshintergrund. Für sie gibt es spezielle Migrationsförderstunden, in denen sie etwa ihre Deutschkenntnisse verbessern können. Dort werde ihnen Zeit gegeben, für sie schwierige Texte oder Wörter mit mehreren Bedeutungen zu verstehen.

Unterricht mit zwei Lehrern

Die zweite und dritte Klasse haben jeweils 22 Schüler, 18 besuchen die vierte. Nur die erste Klasse ist mit 29 Schülern recht groß. „Wir unterrichten zum Teil mit zwei Lehrern, sodass wir auch dort auf jeden einzelnen Schüler eingehen können“, erläutert Ritschel das pädagogische Konzept seiner Schule.

Der Lehrerverband Bildung und Erziehung hatte eine Vernachlässigung der Grundschulen in Nordrhein-Westfalen kritisiert. Sie seien das bildungspolitische „Stiefkind“ der rot-grünen Landesregierung. Der Verband fordert deshalb einen kurzfristigen „Masterplan Grundschule“. Landesweit unterrichten etwa 45 000 Grundschullehrer 600 000 Schüler.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare