Bewährungsstrafe für trinkfesten Zimmermann

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Halver - Mit 1,8 Promille im Blut soll ein Handwerker vergangenen Dezember in der Halveraner Innenstadt unterwegs gewesen sein, wie die Anklageschrift verlauten lässt.

Handwerker gelten mitunter als Zeitgenossen, die nicht groß um den heißen Brei herumreden. So verhält es sich wohl auch im Falle eines kernigen Zimmermanns, der am Dienstag auf der Anklagebank im Lüdenscheider Amtsgericht Platz nahm – in Arbeitskluft und mit kurzen Hosen.

Der Vorwurf: Trunkenheit am Steuer. Am 20. Dezember vergangenen Jahres soll der Mann mit 1,8 Promille Alkohol im Blut ein Auto durch die Halveraner City gesteuert haben. Und im Besitz einer gültigen Fahrerlaubnis sei er auch nicht gewesen. So jedenfalls steht es in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft. Frage von Richter Andreas Lyra an den Angeklagten: „War das so?“ Die unmissverständliche Antwort des 55-Jährigen: „Das sind Tatsachen. Soll ich hier groß rumlügen? Das war so und fertig.“

Kein unbeschriebenes Blatt

Keine weiteren Fragen, könnte man denken. Richter Lyra will aber noch wissen: „Was haben Sie denn so gemacht an diesem Abend in Halver?“ Antwort: „Ich war in der Kneipe. Und da habe ich ein paar Bier getrunken. Und sicher auch ein paar Schnäpse.“ Lyra hakt nach: „Und warum haben Sie sich dann noch ans Steuer gesetzt?“ Antwort des Holz-Handwerkers. „Weiß ich nicht.“

Der Zimmermann – er stammt aus Ostdeutschland und arbeitet an vielen Orten – gilt als trinkfest und ist für die Justiz wahrlich kein unbeschriebenes Blatt. 17 Vorstrafen verunzieren seine Biographie – eine bunte Mischung aus Körperverletzung, Trunkenheitsfahrten, Bedrohung und Betrug.

Neun Monate Fahrverbot

Eingedenk dieser Vorgeschichte fällt das Urteil härter aus, als von Staatsanwaltschaft und Verteidigung gefordert. Die wollten sich sich mit einer Geldstrafe begnügen. Doch Richter Lyra verhängt gegen den Mann eine fünfmonatige Gefängnisstrafe auf Bewährung. Eben wegen seiner Vorbelastungen. Für die nächsten neun Monate erhält er außerdem ein Fahrverbot. Wohl nicht allzu schlimm für den 55-Jährigen – weil er keinen gültigen Führerschein besitzt, lässt er sich seit langem von Kollegen zur Arbeit bringen.

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