Verhärtete Fronten zum Auftakt des Gülle-Prozesses

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Viel zu tun hatte die Feuerwehr nach dem Gülle-Unfall.

Halver/Hagen - Mit einer Klärung der Fronten hat vor dem Landgericht Hagen die zivilrechtliche Aufarbeitung der Verschmutzung der Neye-Talsperre durch einen großen Gülleeintrag begonnen.

Weil das Absperrventil eines Güllebehälters auf dem Hof eines Halveraner Landwirts nicht vorschriftsmäßig geschlossen war, liefen am 18. März 2015 beträchtliche Mengen Jauche über einen Bach in die Trinkwassertalsperre. Nun machen die Kläger, die zu den Stadtwerken Remscheid gehörende EWR-GmbH und der Wupperverband Folgekosten der Verschmutzung in Höhe von 242 454,82 Euro geltend.

Der beklagte Landwirt suchte vor Verhandlungsbeginn kurzfristig das Weite. Sein Mandant habe angesichts des erheblichen Medieninteresses Angst bekommen, einen Zusammenbruch zu erleiden, erklärte der Rechtsbeistand des Landwirts. „Ich habe ihm geraten , zum Arzt zu gehen.“ Der Anwalt hatte nach Auskunft von Petra Hoffmann, Leiterin der Rechtsabteilung der EWR, wenige Tage vor dem Gerichtstermin einen Schriftsatz eingereicht, in dem der Landwirt jegliche Verantwortung für den schmuddeligen Eintrag in das Gewässer zurückwies.

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Hoffmann erinnerte an eine „Umweltkatastrophe in besonderen, einmaligen Ausmaßen“ und lehnte einen möglichen Vergleich mit dem Landwirt und dessen Versicherung ab: „Man erwartet von uns, dass wir das hier durchziehen.“ Denn es gebe bei Anliegern und Landwirten „Wut und Ärger“ darüber, dass so etwas überhaupt möglich sei. „So eine Menge Gülle haben wir noch nie in einer Talsperre gesehen“, unterstrich der von EWR beauftragte Gutachter Mike Giera.

Gewaltige Mengen Gülle strömten im März vergangenen Jahres vom Hof Feckinghaus in die Neye-Talsperre. Vor dem Landgericht wird nun der zivilrechtliche Teil des Umweltskandals verhandelt.

Als Kostenaufwendungen geltend machen die Kläger zahlreiche Maßnahmen, durch die die Neye-Talsperre gereinigt wurde: So wurde die Frischwasserleitung in Richtung Remscheid kurzfristig in Höhe der Kläranlage Hückeswagen angezapft. Dort wurden einen Monat lang Abwässer im Umfang des Eintrags einer Kleinstadt zusätzlich gereinigt. Zudem mussten zahlreiche Wasserproben entnommen und analysiert werden. Tankwagen rückten aus, um betroffene Kunden kurzfristig mit Wasser zu versorgen.

Jürgen Wrenger, Vorsitzender Richter der 8. Zivilkammer des Landgerichts Hagen, sah diesbezüglich noch viele offene Fragen: „Wir brauchen Zahlungsbelege.“ Aufwendungen des Wupperverbandes, die in der Gesamtforderung von gut 242.000 Euro enthalten sind, „können wir gar nicht nachvollziehen“, ließ der Richter die Kläger wissen.

Seine Frage, ob alle Maßnahmen unvermeidlich waren, deutete auf einen erheblichen Aufklärungsbedarf hin: „Es ist die Frage, ob das, was da gemacht wurde, auch notwendig war“, erklärte der Richter. Er machte deutlich, dass der unbedingte Wille der Kläger, ein richterliches Urteil zu erstreiten, zwar legitim, aber nicht unbedingt zielführend sei. „Für den Rechtsfrieden sollte auch die Möglichkeit eines Vergleichs in Betracht gezogen werden“, mahnte der Richter und deutete an, dass ein förmliches Urteil „sehr ungewöhnlich für die 8. Zivilkammer“ wäre.

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