Wenig Entschädigung nach Kneipenschlägerei

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Halver - Bis zu einer möglichen Entschädigung nach einer Körperverletzung kann der Weg sehr weit sein. Noch relativ zeitnah bekam jetzt ein Prügelopfer aus Halver eine Entschädigung vom Amtsgericht Lüdenscheid zugesprochen.

Allerdings scheint diese angesichts der erheblichen Verletzungen dürftig. Der Vorfall liegt ziemlich genau zwei Jahre zurück: In der Nacht vom 17. auf den 18. Mai soll es in der früheren Gaststätte „Zum Löwen“ eine handgreifliche Auseinandersetzung zwischen einem Gast und einem Kellner gegeben haben. Letzterer erlitt eine Platzwunde an der Augenbraue, einen Riss über der Ohrmuschel, ein Jochbein blieb verschoben zurück. Der Gast erklärte sich als Angeklagter im darauf folgenden Strafverfahren bereit, 800 Euro Geldauflage zu zahlen. Im Gegenzug wurde das Strafverfahren eingestellt. 250 Euro zahlte der prügelnde Gast freiwillig als Entschädigung an das Opfer. Dem blieb als Kläger der Weg der zivilrechtlichen Auseinandersetzung, um einen Nachschlag zu dieser minimalen Entschädigung zu erhalten.

„250 Euro sind ein Witz“, gab sein Rechtsanwalt zu Protokoll. „Ich bin für den Rest meines Lebens gezeichnet“, schilderte der Geschädigte die schlimmen Folgen der Schläge in sein Gesicht. „Der Knochen ist verschoben, ich habe Narben und komme daher wie ein Hooligan nach der Schlacht.“ Der Angreifer habe ihn mit einem „Lederhandschuh mit festen Einlagen“ malträtiert – ein „Schlaghandschuh“, wie die Richterin feststellte.

Weitere 500 Euro bot der Beklagte als Entschädigung an. Diese Summe war dem Kläger eigentlich viel zu wenig. Er hatte allerdings auch noch Pech hinsichtlich gerichtsfester Beweise gehabt. Während der Auseinandersetzung war er mit dem Schläger in den Toilettenräumen der Gaststätte gewesen, und niemand sonst hatte die Keilerei gesehen. Sowohl der Strafrichter als auch die Zivilrichterin waren deshalb auf die Angaben der Kontrahenten angewiesen. Und die Richterin riet dem Kläger angesichts der dünnen Beweislage, einen möglichen Vergleich mit dem Beklagten zu akzeptieren.

Der Kläger fand sich deshalb letztlich mit einem für ihn eher mageren Vergleich ab: Der Beklagte erklärte sich bereit, die zunächst angebotene Summe zu erhöhen, weitere 850 Euro zu zahlen und die Geschichte damit endgültig zu den Akten zu legen.

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