Katzenfamilie in Karton ausgesetzt

+

Halver - Sieben eher traurige Neuzugänge verzeichnete am Dienstagabend der Tierschutzverein Halver-Schalksmühle: An der Kampstraße in Halver wurden sechs Jungkatzen samt ihrer Mutter in einem zugeklebten Pappkarton mit kleinen Luftlöchern ausgesetzt.

„Bei den hohen Temperaturen, die am Dienstag und Mittwoch herrschten, war das sehr gefährlich für die Tiere“, sagt Petra Schrön, die das Tierheim in Halver am Langenscheid gemeinsam mit Jana Schmidt leitet. Dort wurden die etwa 12 bis 14 Wochen alten Katzen und die Mutter zunächst aufgenommen. „

Man kann fast sagen, dass es Glück war – und vielleicht auch gewollt – dass die Katzen in einem Wohngebiet ausgesetzt wurden, wo sie schnell gefunden worden sind.“ Anwohner wurden abends auf den Karton aufmerksam und stutzig, als sie die kleinen Luftlöcher an den Seiten sahen. „Nachdem sie den Karton geöffnet hatten, haben sie uns angerufen“, sagt Schrön.

Immer wieder fänden die Mitarbeiter des Tierschutzvereins Tiere auf den Straßen, die nicht auf natürlichem Wege dort hin gekommen sein können: „Kürzlich haben wir eine europäische Sumpfschildkröte auf der Straße aufgesammelt – die steht sogar unter Artenschutz.“ Dass Tiere aber so offensichtlich ausgesetzt werden wie die sieben Katzen, hat Petra Schrön bislang noch nicht erlebt.

„Der Mutterkatze wurden sogar die Schnurrhaare gestutzt, damit sie den Orientierungssinn verliert und nicht wieder nach Hause findet.“ Dass die Tiere zuvor bei Menschen gelebt haben müssen, sei offensichtlich: Selbst die jungen Katzen sind sehr auf Menschen bezogen und gar nicht ängstlich. Fit und munter spielen sie im Quarantäne-Bereich des Tierheims und werden höchstens ab und an von einem Fauchen der Mutter unterbrochen, die ihre Jungen in die Schranken weist.

Vor allem in der Sommerzeit würden viele Haustiere ausgesetzt, weiß Schrön: „Die Leute wollen in den Urlaub fahren, finden aber keinen Ort, an dem sie ihre Tiere unterbringen können, oder sie sind einfach mit der Situation überfordert.“ Was die ehemaligen Besitzer bewogen hat, so zu handeln, wird wohl unklar bleiben.

Für das Tierheim bedeutet es unvorhergesehenen Zuwachs und Kosten. „Die Tiere sind erstmal für zwei Wochen in Quarantäne – das ist so üblich. Sie werden durchgecheckt, geimpft, das Blut wird untersucht.“ Der Aufwand sei groß – vor allem für ein so kleines Tierheim. Derzeit seien 35 Katzen dort untergebracht; davon werden zwei gerade anderthalb Wochen alte Katzen von Hand aufgezogen. Tiere könnten auch gezielt in dem Heim abgegeben werden – allerdings werde für die Besitzer eine Aufwands-Gebühr fällig: pro weiblicher Katze 120 und pro Kater etwa 100 Euro.

Nachdem alle gesundheitlichen Untersuchungen abgeschlossen sind, werden die Mitglieder des Vereins versuchen, die Katzen zu vermitteln. „Sie sind in einem guten Alter – und langsam sollten sie auch von ihrer Mutter getrennt werden“, sagt Schrön. „Sie sind so lieb – wenn auch im schlimmsten Rüpelalter.“

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare